Das Verkehrshaus macht Energie zum Erlebnis

An Ostern 2023 öffnen die Tore zum neuen Schwerpunkt «Energie». Das Verkehrshaus in Luzern möchte sich damit als Schnittstelle zwischen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Bevölkerung positionieren und zur Sensibilisierung für Energiethemen beitragen.
22.12.2021
Das Verkehrshaus der Schweiz in Luzern präsentiert ab 2023 Energiethemen neu in einer Dauerausstellung.
Das Verkehrshaus der Schweiz in Luzern präsentiert ab 2023 Energiethemen neu in einer Dauerausstellung.

Das Verkehrshaus in Luzern präsentiert Energiethemen neu in einer Dauerausstellung. Es möchte die Energierealitäten von gestern, heute und morgen aufzeigen und für die breite Bevölkerung fassbar machen. Wo im April 2023 die Energiezukunft der Schweiz simuliert und für tausende von Besucherinnen und Besucher erlebbar gemacht werden soll, ist heute noch eine Baustelle. Fleissig wird am «House of Tomorrow» (Bild), einem Mehrzweckgebäude der neusten energietechnischen Generation gearbeitet. Der Neubau steht damit sinnbildlich dafür, was dereinst auf den 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche exponiert werden soll.

Herr Bütikofer, Sie sind Direktor des Verkehrshauses in Luzern, dem meistbesuchten Museum der Schweiz, ein beliebter Themenpark für Jung und Alt. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass auch das Thema Energie die Massen anlockt?
Das Thema Energie war für Politik und Gesellschaft schon immer relevant. Wir gehen in Richtung einer 10-Millionen-Schweiz, Ressourcen werden knapper, Technologien entwickeln sich weiter, Strommangellagen werden wahrscheinlicher. Netto-Null, Energiestrategie, 2000-Wattgesellschaft – das sind gute Schlagworte, um Geschichten zu erzählen. Das Verkehrshaus verspricht Entdeckungen. Wir nehmen Besuchende auf eine Reise in die Energierealitäten von gestern, heute und morgen.

Die Themen sind nicht neu. Warum ist jetzt dennoch der richtige Zeitpunkt für Ihre Ausstellung und was wollen Sie damit bezwecken?
Das Energiethema hat sich verdichtet und beschäftigt die Menschen zunehmend, doch das Wissen darüber ist noch zu wenig verbreitet. Dabei bin ich sicher, dass viele einen Beitrag leisten wollen, wenn sie wissen, wie. Deshalb müssen wir die Grundkompetenz in der Bevölkerung erhöhen, Chancen aufzeigen und Technologie erlebbar machen. Mit Alltagsbeispielen zeigen wir auf, was die Energiezukunft konkret für unser Leben bedeutet. Mit dem Erfolgsmodell des Verkehrshauses – spielerisch lernen und entdecken – sind wir überzeugt, die Neugierde sämtlicher Besucherinnen und Besucher zu stimulieren, Vorbehalte abzubauen und letztlich die vielseitigen Energiethemen an den Familientisch zu bringen. Denn dort gehören sie hin.

«In der Energiebranche gibt es eine Menge spannender Berufsbilder, die Jugendliche nicht auf dem Radar haben. Den Berufen wollen wir ein Gesicht geben.»

Was dürfen die Besucherinnen und Besucher konkret erwarten, wenn im April 2023 die Tore zur Ausstellung öffnen?
Wissensvermittlung und Unterhaltung. Ziel ist es, die Themen ganzheitlich und stufengerecht zu präsentieren. Im Zentrum stehen Modellierungen, quasi eine Miniaturisierung der Energierealitäten von heute und morgen – eine Kombination aus Wissensvermittlung und praktischen, spielerischen Anwendungen. Wir wollen etwa zeigen, wie eine Solaranlagen ein Mehrfamilienhaus mit Strom versorgt. Oder was es bedeutet, wenn ein Kraftwerk vom Netz geht. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dereinst ein Windrad in Originalgrösse aufzustellen. Um das Energiethema herum planen wir wechselnde Schwerpunkte, die wir zusammen mit externen Partnern realisieren. Wir haben viele gute Ideen.

Die Energieausstellung soll auch Nachwuchstalente fördern. Wie wollen Sie gezielt Jugendliche ansprechen?
Uns besuchen rund 3'000 Schulklassen im Jahr, diese Reichweite gilt es zu nutzen. Denn auch in einer neuen Energiewelt braucht es motivierte, hochqualifizierte Nachwuchstalente, die dafür sorgen, dass der Strom mit einer für die Schweiz einzigartigen Verlässlichkeit aus der Steckdose fliesst. In der Energiebranche gibt es eine Menge spannender Berufsbilder, die Jugendliche nicht auf dem Radar haben. Den Berufen wollen wir ein Gesicht geben. Um die Inhalte möglichst spannend zu gestalten, arbeiten wir eng mit der Lehrerschaft und pädagogischen Hochschulen zusammen. Dinge ausprobieren zu können, ist ein wichtiger Teil des Erlebnisses.

In gut anderthalb Jahren geht es los, es gibt noch viel zu tun. Was sind die nächsten Schritte?
Die Kernausstellung ist konzeptionell in Erarbeitung. Sobald die Räumlichkeiten fertiggestellt sind, beginnen wir mit der Umsetzung. Woran wir derzeit intensiv arbeiten, ist die Planung des Rahmenprogramms. Hierfür stehen wir in Kontakt mit der Politik und der Energiebranche, aber auch mit Firmen, Verbänden und Hochschulen, die wir aktiv und herzlich dazu einladen, sich einzubringen. Ihre Innovationskraft ist enorm, den Schwung wollen wir unbedingt mitnehmen und ihnen eine attraktive Plattform bieten.

Martin Bütikofer, Direktor Verkehrshaus Luzern

Martin Bütikofer ist Elektro- und Wirtschaftsingenieur und seit 2011 Direktor des Verkehrshauses der Schweiz in Luzern. Zu seinen beruflichen Stationen gehörten unter anderen die Leitung des Amts für den öffentlichen Verkehr im Kanton Zug und die Direktion Regionalverkehr der SBB AG.