Vorschau 2022: Wege zu einer zuverlässigen, erneuerbaren Stromversorgung

Sie ist das VSE Nachfolgeprojekt zu den «Energiewelten»: Die «Vorschau 2022». Was macht die Studie besonders – und wie schafft sie den Blick über den Tellerrand? Wir haben mit Nick Zepf, dem Leiter des Projekt-Steering-Boards darüber gesprochen.
08.07.2021

Der VSE Vorstand hat für das Projekt «Vorschau 2022» grünes Licht gegeben. Seit da sind sich Projektleitung, Teilprojekte und ihre Mitarbeitende – allesamt vom VSE oder seinen Mitgliedsunternehmen – am Konstituieren; das Projekt nimmt Fahrt auf und Gestalt an. Nick Zepf, Leiter Corporate Development bei Axpo, ist an Bord, seit man sich die ersten Gedanken zum Projekt gemacht hat – und leitet dessen Steering Board.

Nick Zepf, welches Ziel verfolgen der VSE und die Branche mit der «Vorschau 2022»?
Ein Verband muss ja grundsätzlich immer nach vorne blicken. In der Strombranche müssen wir noch etwas weiter nach vorne blicken. Einerseits, weil die Investitionen von heute noch lange da sein werden. Andererseits, weil sich fundamentale Veränderungen im Strombereich abzeichnen – die grossen Einfluss auf das Kerngeschäft haben. Strom ist für die Energiezukunft der Schweiz der Schlüsselfaktor schlechthin. Qualitative und quantitativen Studien loten die Energiezukunft der Schweiz aus – mit Fokus Strom – und zeigen mögliche Wege auf. Die Zukunftsoptionen sollen transparent aufgezeigt und auch bewertet werden. Das konkrete Ziel: Die Leser verstehen am Schluss, welche Ansätze es gibt – und was deren Vor- und Nachteile sind. Wir wollen einen Beitrag zu einer sachlichen Energiediskussion leisten.


Drängend scheint nach dem gescheiterten Institutionellen Abkommen (InstA) die Frage nach der Versorgungssicherheit im Winter...
Ja, wir werden auch dieses spezifische Thema aufarbeiten und die oft komplexen Zusammenhänge fundiert und verständlich darstellen. Die Sommer-Winter-Umlagerung ist heute noch nicht so klar durchleuchtet. Es ist uns wichtig, dass alle interessierten Kreise verstehen, was die Zusammenhänge sind und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Und: Mit der Studie allein ist es nicht getan. Danach geht es an die Umsetzung. Der VSE wird politische und regulatorische Forderungen und Empfehlungen von den Ergebnissen ableiten.

«Der VSE wird politische und regulatorische Forderungen und Empfehlungen von den Ergebnissen ableiten»

Die Vorschau 2022 ist eine Studie unter vielen. Was wird ihr Mehrwert sein?
Ich würde da drei Punkte nennen. Erstens: Unsere Studie soll verschiedene Wege hin zu einer zuverlässigen, erneuerbaren Stromversorgung aufzeigen, ohne dabei dogmatisch zu sein. Dabei sollen alle relevanten Dimensionen wie Technik, Akzeptanz, Kosten, Versorgungssicherheit und vieles mehr vergleichend analysiert werden. Zweitens: Die «Vorschau 2022» ist gar keine eigentliche Prognose, sondern eine konkrete Diskussionsgrundlage. Sie ist eine Kombination aus qualitativer und quantitativer Betrachtung. Wir wollen bewusst keinen Zahlenfriedhof produzieren, denn das bringt uns nicht weiter. Drittens: Wir schauen gezielt zentrale Fragestellungen vertiefter an – wie beispielsweise die zukünftigen Verteilnetze. Wir wollen mit der «Vorschau 2022», wie übrigens auch mit der einstigen «Vorschau 2012», die Mitglieder des VSE voll einbeziehen, damit wir ihr Wissen maximal nutzen können. Zudem können wir so sicherstellen, dass die Resultate breit möglichst getragen werden.


Wo setzt das Projekt denn seine Schwerpunkte? 
Es gibt übergeordnete Themen wie das Netto-Null-Ziel beim CO2, die Versorgungssicherheit – insbesondere die Winterversorgung – und die Importabhängigkeit der Schweiz. Spezifische Themen, wo wir ebenfalls Klarheit suchen, sind die Sommer-Winter-Umlagerung, die Verteilnetze, kurzfristige Flexibilitäten und Sektorkopplung sowie die Mobilität. Digitalisierung, Akzeptanz und Kosten sind gewissermassen Schirmthemen, die alle genannten Themen betreffen. Last but not least: Alles soll verständlich und nachvollziehbar sein. Nur so können wir mit der «Vorschau 2022» auch Wirkung erzielen.


Nick Zepf

Zur Person

Nick Zepf ist bei Axpo Leiter Corporate Development und leitet das Projekt-Steering-Board «Vorschau 2022».