"Von diesem Netz ausgeschlossen zu sein, ist ein Handicap"

Ein Stromabkommen mit der Europäischen Union tut Not. Die Schweiz ist zunehmend von Markt- und Solidaritätsmechanismen ausgeschlossen, internationale Kooperationen sind gefährdet, die Importsicherheit nimmt ab. Das Interview mit Christian Petit, CEO von Romande Energie.
08.01.2021

Wie wichtig ist die Einbettung der Schweiz in Europa?
Der Strommarkt hat keine Grenzen, Energie fliesst über nationale Grenzen hinweg. Das europäische Netz ist ein internationales Gefüge von Produktion und Verbrauch. Die Schweiz verfügt dabei über eine bedeutende Pumpspeicherproduktion.

Von diesem Netz ausgeschlossen zu sein, ist ein Handicap für den täglichen Umgang mit unserer Energie. Die Schweiz importiert und exportiert je nach Jahreszeit und ist deshalb auf den Marktzugang angewiesen. Aufgrund ihrer geografischen Lage ist die Schweiz eigentlich ein unverzichtbarer Partner, zumal auch die Stabilität des europäischen Netzes von ihr abhängt.

«Aufgrund ihrer geografischen Lage ist die Schweiz eigentlich ein unverzichtbarer Partner, zumal auch die Stabilität des europäischen Netzes von ihr abhängt.»

Welche Herausforderungen entstehen durch ein fehlendes Stromabkommen?
Produzenten und Vertreiber sind de facto vom Intraday-Markt ausgeschlossen. Sie können nicht jene Energie verkaufen oder kaufen, die kurzfristig benötigt wird, um das Gesamtenergieangebot und den Energiefluss auszugleichen. Das fehlende Abkommen ist ein Handicap, das uns daran hindert, unsere Energie zu optimieren. Langfristig wird das Fehlen eines Rahmenabkommens in Verbindung mit der Schliessung der Kraftwerke Gösgen und Leibstadt den Importbedarf erhöhen. Dies wird die Abhängigkeit der Schweiz von ihren Nachbarn erhöhen und die Strompreise sehr volatil werden lassen.

Welche Rolle würde aus Ihrer Sicht ein Abkommen spielen?
Es würde für Klarheit und Sicherheit für die Zukunft sorgen. An den Marktaktivitäten teilnehmen zu können, ohne sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite herausgefordert zu werden, erlaubte uns langfristigere Aussichten und böte Sicherheit für unsere Kunden, unsere Aktionäre und unsere Produktion im Allgemeinen. Wir dürfen nicht der Spielball politischer Vereinbarungen sein. Daher ist es unerlässlich, die Verhandlungen über den Energiemarkt von Rahmenvereinbarungen zu entkoppeln.

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