Stromabkommen

Der schrittweise Ausstieg aus der Kernenergie im Rahmen der Energiestrategie 2050 erschwert die Stromversorgung der Schweiz. Ein Stromabkommen mit der Europäischen Union würde die Schweiz besser in die Markt- und Solidaritätsmechanismen in der EU einbinden – und damit die Bewältigung von Importsituationen erleichtern. Das Stromabkommen würde somit einen Beitrag an die Versorgungssicherheit unseres Landes leisten.

Die geografische Lage im Herzen Europas macht die Schweiz zu einer Drehscheibe für den Strom. Sie hat 41 Verbindungspunkte zu ihren Nachbarn – mehr als jedes andere Land auf der Welt – und ist ein wichtiges Transitland, insbesondere für Italien. Der Strom, der jedes Jahr durch unser Stromnetz fliesst, übersteigt unseren Landesverbrauch.

Im Jahr 1958 wurden in Laufenburg die Stromnetze Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz auf der 380-Kilovolt-Spannungsebene zusammengeschaltet («Stern von Laufenburg»). Mit dem Zusammenschluss der Stromnetze wurde in Europa erstmals eine grenzübergreifende Leistungs- und Frequenzregelung eingeführt und damit die Basis für einen internationalen Verbundnetzbetrieb gelegt.

Obwohl die Schweiz das europäische Verbundnetz durch den «Stern von Laufenburg» mitbegründet hat, darf sie sich nicht mehr an den europäischen Marktmechanismen beteiligen. Die Verhandlungen für ein Stromabkommen mit der Europäischen Union laufen seit 2007. Aus technischer Sicht sind die Diskussionen auch vorangekommen. Allerdings fehlt ein Abkommen über die institutionellen Fragen, das die Europäische Union für den Abschluss neuer Markzugangsabkommen als unabdingbar erachtet. 

Die Schweiz steht bei der europäischen Marktintegration immer mehr im Abseits. Für unser Land ist es wichtig, die negativen Auswirkungen der Marktkopplung in der EU zu reduzieren. Unser Netz ist teils wegen ungeplanter und punktueller Stromflüsse überlastet, was die Stabilität des Systems zunehmend gefährdet und zu zusätzlichen Kosten für die Endverbraucher führt. Die Schweizer Unternehmen sind zunehmend von den europäischen Handelsplattformen ausgeschlossen. Sie verlieren dadurch die Möglichkeit, die Flexibilität der Wasserkraft zu nutzen. Ohne Abkommen wird sich diese Situation weiter zuspitzen, während sich der europäische Markt ohne Schweizer Mitsprache noch weiter konsolidiert.

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VSE-Dokumente

In den Medien

Interview M. Wider in Bilan (3.10.2018)
Meinungsartikel in Le Temps (21.06.2018)

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