Über den Tellerrand hinaus

Die politische Feder 3/2018
01.03.2018
Teller

Die klimapolitischen Signale waren letzthin alles andere als einheitlich. Die Klimaskeptiker sind dank dem neuen US-Präsidenten im Aufwind. Anderseits lassen die Diskussionen am World Economic Forum (WEF) in Davos darauf schliessen, dass eine globale und ebenso dezidierte Bewegung den Klimaschutz weitertreiben will.

Am WEF wurde daran erinnert, dass der Kampf gegen den Klimawandel nicht nur den Regierungen aufgebürdet werden könne, sondern auch in der Verantwortung der Unternehmen und Bürger liege. Nehmen wir doch diese Aussage zur Leitlinie für die aktuelle Revision unseres CO2-Gesetzes und lockern wir das Korsett: Die Stärkung individuellen Handelns führt über eine deutliche Ausweitung und Optimierung der Zielvereinbarungen, welche den Unternehmen die Möglichkeit zum Engagement und im Gegenzug zur Befreiung von der CO2-Abgabe einräumen. Die Innovation wird davon profitieren.

«Da der Strom künftig immer stärker aus erneuerbaren Energien stammt, braucht es einen Ausgleich zwischen Zeiten mit reichlich Produktion, im Sommer, und solchen mit einem Mangel an Produktion, im Winter.»

Die Elektrifizierung war ein weiteres aktuelles Thema in Davos. Sie hilft der Dekarbonisierung, lässt aber auch den Strombedarf ansteigen. Da der Strom künftig immer stärker aus erneuerbaren Energien stammt, braucht es einen Ausgleich zwischen Zeiten mit reichlich Produktion, im Sommer, und solchen mit einem Mangel an Produktion, im Winter. Das Gasnetz könnte hier eine Rolle spielen, eröffnet es doch die Möglichkeit, Überschüsse aus Solar- und Wind­strom zu speichern («Power to gas») und dieses Gas später wieder für die Stromproduktion zu nutzen.

Die Sektorkopplung Strom-Wärme-Mobilität ist also einer der Schlüsselfaktoren. Die Klimapolitik sollte das Zusammenspiel zwischen Strom und Gas deshalb nicht erschweren. Somit gilt es auch, die Benachteiligung allfälliger Schweizer Gaskraftwerke zu beenden. Um gleich lange Spiesse mit der europäischen Konkurrenz zu schaffen, müssen Gaskraft­werke dem Emissionshandel unterstellt werden. Zudem sind das Schweizer und das europäische Handelssystem miteinander zu verknüpfen.

Schauen wir also über den Tellerrand hinaus und ge­stal­ten wir eine Klimapolitik, welche der Innovation und einer zukunftsträchtigen Energieversorgung Schwung verleiht.

Siehe auch


Die politische Feder

Unter der Rubrik "Die politische Feder" veröffentlicht Dominique Martin, Bereichsleiter Public Affairs des VSE, im Branchenmagazin Bulletin regelmässig Kommentare und Einschätzungen zu energiepolitischen Themen.