Powertage 2022: Die Versorgungssicherheit stand im Zentrum

Das Fachforum der Powertage 2022 richtete seinen Fokus ganz auf die Versorgungssicherheit. Dabei wurde das Thema aus diversen Perspektiven beleuchtet: aus der generellen Sicht von Branche, Behörde und Energieversorger, vor dem Hintergrund eines effizienteren Umgangs mit Energie sowie aus Sicht der Berufsbildung.
23.05.2022
Gian von Planta, Jörg Wild, Benoît Revaz, Nadine Brauchli und Moderator Rolf Schmid (v. l.) diskutierten über Versorgungssicherheit.

Nadine Brauchli, Bereichsleiterin Energie beim VSE, zeigte den Anwesenden in ihrem Referat auf, worauf es aus Sicht der Branche ankommt, damit die Versorgungssicherheit auch in Zukunft auf dem heutigen hohen Niveau bleibt und zitierte dafür aus der Roadmap Versorgungssicherheit, welche der VSE Ende 2021 lanciert hatte. Darin werden über 40 Massnahmen aufgeführt, wie die Versorgungssicherheit auch in der Zukunft sichergestellt werden kann.

Nicht zuletzt wegen der heute sehr langwierigen Planungs-, Beschwerde- und Bewilligungsverfahren hält Nadine Brauchli das Erreichen der Klima- und Energieziele für sehr ambitioniert. «Machen wir im jetzigen Tempo weiter, dauert es 100 Jahre, bis wir diese Ziele erreichen.» Deshalb müssten Massnahmen, deren Umsetzung naturgemäss lange dauere, jetzt in die Wege geleitet werden.

Rechnen mit dem Worst-Case-Szenario

Im anschliessenden Podiumsgespräch diskutierten Nadine Brauchli, BFE-Direktor Benoît Revaz, Gian von Planta, Leiter Anlagen und Netze bei SWL Energie AG, und Jörg Wild, CEO des Gasversorgers Energie 360° AG, gemeinsam mit Moderator Rolf Schmid die aktuelle Situation und die anstehenden Herausforderungen. Benoît Revaz gab zu bedenken, dass sich die Schweiz auf den Worst Case vorbereiten müsse, während sich Jörg Wild erstaunt darüber zeigte, dass das Gas aus Russland nach wie vor nahezu ohne Einschränkungen nach Westeuropa geliefert werde. «Aber wir bereiten uns auch auf ein Worst-Case-Szenario vor. Schon jetzt stellen wir fest, dass sich Kunden nach Alternativen umsehen.»

«Machen wir im jetzigen Tempo weiter, dauert es 100 Jahre, bis wir die Energie- und Klimaziele erreichen.»

Gian von Planta bestätigt das: «Mit den steigenden Preisen für fossile Energie stieg die Bereitschaft der Kunden, den Gasanschluss abzumelden und sich über erneuerbare Energien zu informieren.» Das Geschäft habe sich seit Kriegsbeginn komplett verändert. Viele Kunden interessierten sich nun für Wärmepumpen oder Fernwärme. Um alle diese Wärmepumpen auch mit genügend Strom versorgen zu können, seien daher ein schneller Ausbau der Produktion von erneuerbarer Energie sowie der Winterproduktion zentral, hakte Nadine Brauchli hier ein.

Effiziente Energienutzung in der Community

Konrad Rieder, Leiter Regulierungsmanagement bei den Services industriels de Genève SIG, und Valérie Bourdin (VSE) stellten anschliessend ein interessantes Projekt zur Energieeffizienz vor. Unter www.energysavers.ch haben die SIG eine Community lanciert, die sich gemeinsam des Themas Energieeffizienz annehmen soll. Das Projekt steht allen interessierten offen.

Ohne Fachkräfte gibt es keinen Umbau des Energiesystems

Einen gewichtigen aber oft unterschätzten Teil der Versorgungssicherheit machen die Fachkräfte in der Energiebranche aus. In einem Impulsreferat zeigte Professor Christoph Hauser von der Hochschule Luzern anhand demographischer und sozialer Entwicklungen auf, warum die Branche nicht genügend Fachkräfte finden kann. Dabei wären diese doch so wichtig, um die Infrastruktur zu unterhalten und den geplanten Ausbau umzusetzen. Gemeinsam mit Andreas Degen, Leiter Berufsbildung beim VSE, Reto Schrepfer, Verantwortlicher für die Berufsbildung bei EWZ, sowie Yves Nützi, Netzelektriker-Lernender im dritten Lehrjahr, diskutierten Christoph Hauser und Rolf Schmid über das Thema Fachkräftemangel. Auf den Punkt brachte es schliesslich Yves Nützi: «Ohne uns Netzelektriker läuft nichts».