« Grimsel-Dialog » gefährdet die Erreichung der Wasserkraftziele im Stromgesetz

Im letzten Dezember haben sich die KWO, die Umweltverbände und der Kanton Bern im « Grimsel-Dialog » geeinigt. Damit ist die Umsetzung der drei grossen Speicherprojekte Trift, Vergrösserung Grimselsee und Vergrösserung Oberaarsee und auch die Energiewende einen grossen Schritt weiter. Die Kosten für die Einigung sind aber sehr hoch: Die vereinbarten Ausgleichsmassnahmen führen dazu, dass die im Stromgesetz vereinbarten Ausbauziele für die Wasserkraftproduktion kaum erreicht werden können.
29.01.2026

Das ist eine Medienmitteilung von Swiss Small Hydro – die darin publizierten Inhalte geben nicht notwendigerweise die Meinung des VSE wieder.

 

Die drei Speicherprojekte sind zentrale Bausteine beim Umbau des Energiesystems. Sie helfen, überschüssigen Strom vom Sommer ins Winterhalbjahr zu verlegen. Die Projekte sind im Stromgesetz, welchem die Schweizer Stimmbevölkerung im Juni 2024 mit grosser Mehrheit zugestimmt hat, namentlich erwähnt. Gleichzeitig hat sie damit auch die neuen Ziele für die Stromproduktion aus Wasserkraft bekräftigt: Unter Berücksichtigung von Restwassersanierung und Klimawandel wird dafür ein Zubau von rund 4 Terawattstunden Wasserkraftstrom erforderlich. Das ist fast 30 mal mehr Strom, als das Triftprojekt unter dem Strich produziert (145 GWh). Der Produktionsausbau der beiden anderen Speicherprojekte ist gar vernachlässigbar.

Der Kanton Bern als einer der wichtigsten Wasserkraftkantone müsste zur Erreichung der Wasserkraftziele einen Anteil von gut 340 GWh Wasserkraftstrom beitragen. Im Rahmen der Einigung hat sich der Kanton Bern aber einem Nutzungsverzicht an 53 Fliessgewässern verpflichtet. Das betrifft nicht nur Projekte von am Dialog beteiligten Unternehmen, sondern auch solche von unbeteiligten Dritten, zum Beispiel Gemeinden oder private Unternehmen, die ihre getätigten Vorleistungen wohl abschreiben müssen.

Ergänzend sollen zwei Wasserkraftwerke an der Emme stillgelegt werden. Die beiden neuwertigen Zentralen Hagerhüsli und Bätterkinden tragen gemäss Statistik der Schweizer Wasserkraftanlagen (WASTA) fast 5 Gigawattstunden Stromproduktion bei. Mehr als die Hälfte davon wird im Winter produziert. Die verhältnismässig geringe Sommerproduktion wurde 2023 deutlich ersichtlich, als die Emme am betroffenen Abschnitt komplett trocken lief. Da die Abgabe von Restwasser gegenüber der Stromproduktion prioritär behandelt wird, kann eine Stilllegung der beiden Zentralen eine Austrocknung des Gewässerabschnitts nicht verhindern. Daher ist der ökologische Nutzen der Massnahme als höchst fraglich zu bewerten. Auch aus wirtschaftlicher ist die Massnahme bedenklich: Beide Zentralen sind mit einer Konzession bis ins Jahr 2062 ausgestattet, und die Besitzerin der beiden Kraftwerke war nicht am «Grimsel-Dialog» beteiligt. Die finanzielle Entschädigung für den Produktionsausfall über 35 Jahre wird entsprechend teuer werden.

Im letzten Teil der Einigung wurde vereinbart, das Simmenwehr bei Wimmis abzubrechen. Dies wird ebenfalls einen Produktionsrückgang im Bereich einiger Gigawattstunden zur Folge haben. Als Besitzerin des Bauwerks war die BKW in den Dialog involviert, hat die mit der Einigung verbundenen Vor- und Nachteile jedoch kaum vollständig abgewogen. Im Gegensatz dazu kritisiert die Standortgemeinde Wimmis den Entscheid heftig.

Mit der Einigung im «Grimsel-Dialog» ist eingetroffen, wovor Swiss Small Hydro noch im September vergangenen Jahres gewarnt hatte: Der Kanton Bern unterschätzt die Herausforderung zur Erreichung der im Stromgesetz formulierten Ziele. Sollte das Beispiel schweizweit Schule machen, dürfte bis 2050 2,5 Terawattstunden Wasserkraftstrom fehlen. Das entspricht der Produktion des früheren Atomkraftwerks Mühleberg. (Swiss Small Hydro)