VSE Roadmap zur Versorgungssicherheit Energiezukunft 2050
In Europa herrscht Krieg. Was über Jahrzehnte nicht für möglich gehalten worden ist, ähnlich wie eine Pandemie, ist heute traurige Gewissheit. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine katapultierte Europa in eine Energiekrise, akzentuierte die bereits zuvor angespannte Preissituation an den europäischen Energiemärkten zusätzlich und legte die Versäumnisse der vergangenen Jahre schonungslos offen. Die rekordhohen Marktpreise begleiteten uns über das gesamte Jahr: Deswegen wurde der Rettungsschirm zur Stützung systemrelevanter Energieunternehmen eingeführt; deswegen wollen Unternehmen, die jahrelang von tiefen Preisen profitiert haben, zurück in die Grundversorgung; deswegen mussten viele Energieversorger für 2023 teils happige Tariferhöhungen ankündigen. Solche Turbulenzen gab es an den Strommärkten noch nie.
Der Krieg in Europa hat auch dazu geführt, dass das Risiko einer Energie- und damit auch einer Strommangellage erstmals seit Jahrzehnten real und gross ist. Energiesicherheit ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Bund, Branche und Wirtschaft haben zahlreiche Massnahmen ergriffen, um das Risiko zu senken. In einer europaweiten Krise wie dieser gibt es aber Faktoren, die wir nicht selbst beeinflussen können. Dazu zählen das Volumen russischer Gaslieferungen nach Europa, Attacken und Cyberangriffe auf die Energieinfrastruktur, der Füllstand der inländischen Speicherseen oder die Verfügbarkeit französischer Kernkraftwerke. Es sind Faktoren, die in ungünstiger Verkettung eine Mangellage herbeiführen können – nicht nur in diesem, sondern insbesondere auch im nächsten Winter.