Vier Schlüssel­fragen

Die politische Feder 9/2017
01.09.2017
Fragen

«Wir werden vielleicht bis zu 17 Kernkraftwerke schliessen.» Mit dieser Aussage sorgte der französische Umweltminister Nicolas Hulot vor Kurzem für Aufsehen.

Schickt sich die Schweiz nun an, ein neues «Marktdesign» für die Stromversorgung von morgen zu diskutieren, kommt sie nicht darum herum, die Politik ihrer Nachbarländer zu berücksichtigen. Vor allem sollte sie bedenken, dass sie bei der inländischen Produktion im Winter bereits heute eine Deckungslücke aufweist, die sich mit dem Atomausstieg und der Erhöhung der Produktion aus erneuerbaren Energien noch vergrössern wird. Berechnungen des VSE gehen von einem dramatischen Rückgang des Selbstversorgungsgrads aus, der bis 2030 im Winterhalbjahr auf deutlich unter 60% sinken könnte. Die Schweiz sollte sich auch bewusst sein, dass ihre in den Stauseen gespeicherten Wasservorräte zwar ein kostbares Gut darstellen, sie sich damit jedoch ohne Importmöglichkeiten höchstens einige Tage oder Wochen, nicht aber den ganzen Winter über selbst versorgen kann.

«Ohne den Teufel an die Wand zu malen: Die Schweiz ist gut beraten, sich frühzeitig über ihre Versorgungsperspektiven in einem solchen Umfeld Gedanken zu machen.»

Eine Verhaltensänderung der europäischen Partner hätte erhebliche Auswirkungen auf die Stromversorgung der Schweiz. Legt Frankreich tatsächlich einen Drittel seines Kernkraftparks still, dürften sich seine Nettoexporte halbieren. Ersetzt Deutschland weiterhin seine Bandenergieproduktion (fossil und nuklear) durch Energien mit variabler Produktion, droht es, mit der Zeit zum Nettoimporteur zu werden. Überdies warnt Entso-E, dass mehrere traditionelle Exportländer wie Frankreich und Tschechien in Extremsituationen (zum Beispiel Kältewelle und Dunkelflaute) bereits heute während mindestens einer Woche nicht mehr in der Lage sind, sich selbst zu versorgen.

Ohne den Teufel an die Wand zu malen: Die Schweiz ist gut beraten, sich frühzeitig über ihre Versorgungsperspektiven in einem solchen Umfeld Gedanken zu machen. Dazu sollte sie zuerst die folgenden vier Schlüsselfragen beantworten:

  • Welches gemeinsame Ziel verfolgt die Schweiz langfristig für die Versorgungssicherheit?
  • Wie kann die Schweiz die gewünschte Stromversorgung sicherstellen?
  • Welche Risikoabsicherung will sie sich dabei leisten?
  • Welche Schritte müssen wann gemacht werden?

Siehe auch


Die politische Feder

Unter der Rubrik "Die politische Feder" veröffentlicht Dominique Martin, Bereichsleiter Public Affairs des VSE, im Branchenmagazin Bulletin regelmässig Kommentare und Einschätzungen zu energiepolitischen Themen.