Schweizer Stromkongress 2026: MIND THE GAP – Gemeinsames Handeln für eine sichere Stromversorgung

16.01.2026
Bern, 16. Januar 2026 – Über 500 Vertreter:innen aus den Bereichen Energie, Politik, Wirtschaft und Forschung debattierten im Kursaal Bern während zweier Tage am Stromkongress über die Herausforderungen des Schweizer Energiesystems. An der von den beiden Dachverbänden VSE und Electrosuisse organisierten Veranstaltung wurde klar: Der «Gap» zwischen dem heutigen Zustand und den angestrebten Zielen ist zu gross. Die Erwartungen an die Strombranche sind extrem hoch und es benötigt dringend koordinierte Massnahmen.

Die Herausforderungen im Zusammenhang mit der Energiezukunft der Schweiz sind komplex und eng miteinander verflochten: Versorgungssicherheit, erschwingliche Preise, Dekarbonisierung, Umsetzung des neuen Stromgesetzes und die Zusammenarbeit mit der EU können nicht isoliert behandelt werden. «Es braucht jetzt die konsequente Umsetzung der gesetzlich festgelegten Stromproduktion aus erneuerbaren Energien mit Fokus auf Winterproduktion und dabei insbesondere auch auf die alleinige Verwendung der knappen Fördermittel für die Produktion im Winter», so Martin Schwab, Präsident des VSE und CEO von CKW. «Ein beschleunigter Ausbau der Stromnetze zusammen mit einer möglichst guten Integration in Europa und dem Ausbau der Speicherkapazitäten ermöglicht eine günstige, nachhaltige und sichere Stromversorgung. Für die absehbaren Lücken im Winter braucht es Vorbereitungen für den Langzeitbetrieb der Kernkraftwerke und zusätzliche Gaskraftwerke».  

VSE Stromversorgungs-Index Schweiz 2026 zeigt für 2050 eine besorgniserregende Lücke auf 
Der erstmals am 12. Januar durch den VSE publizierte Schweizer Stromversorgungs-Index, der während des Kongresses von Nadine Brauchli, Bereichsleiterin Energie beim VSE, vorgestellt wurde, zeigt, dass die Schweiz ihre Versorgungsziele klar verfehlt und eine deutliche Diskrepanz zwischen Anspruch und Umsetzung besteht. Besonders kritisch ist die Stromversorgung im Winterhalbjahr. Es braucht dringend eine verstärkte erneuerbare Winterproduktion, einen beschleunigten Netzausbau und ein Stromabkommen mit der EU. 

Eine europäische Vision für ein System im Wandel
In seiner Eröffnungsrede beleuchtete Bernard Fontana, CEO der EDF-Gruppe, die strategischen Herausforderungen und Chancen für den Energiesektor vor dem Hintergrund der zunehmenden Elektrifizierung. Er betonte die zentrale Rolle grenzüberschreitender Partnerschaften und der europäischen Vernetzung für die Gewährleistung der Stabilität und der Versorgungssicherheit in einem sich wandelnden System. 

Diese Fragen standen auch im Mittelpunkt der kontroversen Podiumsdiskussion zum Stromabkommen, an der sich Christoph Brand (CEO von Axpo), die Nationalräte Susanne Vincenz-Stauffacher (FDP/SG), Christian Imark (SVP/SO) und Benoît Gaillard (SP/VD) sowie Jean-Philippe Kohl, Vizedirektor von Swissmem, intensiv austauschten. Trotz teilweiser unterschiedlicher Ansichten zum Stromabkommen, zur Marktöffnung, über eine notwendige Autonomie oder Integration waren sich alle in einem Punkt einig: Um die Versorgungssicherheit nachhaltig zu stärken, sind konkrete und schnell umsetzbare Massnahmen dringend erforderlich - beschleunigte Verfahren, eine Verbesserung der Investitionsbedingungen, ein Ausbau der erneuerbaren Energien und die Sicherstellung zusätzlicher Kapazitäten, insbesondere für das Winterhalbjahr. 

Werner Luginbühl, Präsident der ElCom, erinnerte daran, dass das Stromabkommen einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit leistet. Er wies auch darauf hin, dass die Energiewende unterschiedliche und angepasste Instrumente und Mechanismen erfordert: «Die Grundversorgung ist nicht dafür ausgelegt, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu finanzieren.» 

Das Netz als Eckpfeiler der Energiewende
In der Podiumsdiskussion zu den Netzen diskutierten Sylvia Marra (OIKEN), Patrick Bertschy (Romande Energie), Maurice Dierick (RTE) und Nell Reimann (Swissgrid) über die wachsenden Herausforderungen für die Strominfrastruktur. Volatile erneuerbare Energien, neue Grossverbraucher wie Rechenzentren, unsichere Bedarfsprognosen, lange Bewilligungsverfahren und fehlende Fachkräfte erschweren die Planung und Investitionen. Umso wichtiger seien ein beschleunigter Netzausbau, mehr Flexibilität sowie eine enge regionale, nationale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit zur Sicherung der Systemstabilität. 

«Die Grundversorgung ist nicht dafür ausgelegt, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu finanzieren.»

Werner Luginbühl, Präsident der ElCom

Mehr Flexibilität, weniger Regulierung
Alle Diskussionen machten deutlich, dass der regulatorische Rahmen einen zunehmenden Druck auf die Akteure der Branche ausübt. Bei der Podiumsdiskussion zum Thema Stromgesetz betonten Patricia Pastoriza (Multidis) und Michael Grober, CEO von Energie Thun, dass die Umsetzung der neuen Anforderungen erhebliche Ressourcen benötigt und schwer vorhersehbare Kosten verursacht, die letztlich die Verbraucher:innen bezahlen. Robert Itschner, CEO von BKW, verwies ausserdem auf die zunehmende Komplexität für die Branche: «Die Branche erstickt an Regulierungen. Wir brauchen mehr Freiheit für Innovation.» In diesem Zusammenhang hoben die Redner insbesondere die Flexibilität als zentralen Hebel zur Stabilisierung eines zunehmend volatilen Energiesystems hervor. «Preissignale über alle Ebenen müssen beim Kunden ankommen. Nur so kann die Flexibilität im System genutzt werden», erklärt Itschner.

Kontroverse Ansichten wurden an der Podiumsdiskussion zum Thema Solarenergie vorgebracht. Noah Heynen, CEO und Mitbegründer von Helion, appellierte daran, anstelle von Kritik den riesigen Erfolg der Solarenergie zu würdigen und Martin Schwab betonte in diesem Zusammenhang ebenfalls die Wichtigkeit von Preissignalen und dass diese bei den Kund:innen ankommen müssen. «Die Schweiz steht an einem energiepolitischen Wendepunkt. Die notwendigen Massnahmen liegen auf dem Tisch. Jetzt sind gezielte Investitionen in neue, winterfokussierte Produktionskapazitäten sowie deutlich beschleunigte Bewilligungsverfahren erforderlich, um die Versorgungssicherheit nachhaltig zu gewährleisten», sagt Martin Schwab, Präsident des VSE. «Kurzum: Es ist Zeit, die Lücke zu schliessen – Mind the Gap».

«Die Branche erstickt an Regulierungen. Wir brauchen mehr Freiheit für Innovation.»

Robert Itschner, CEO von BKW

Zum Abschluss des Stromkongresses 2026 betonte BFE-Direktor Benoît Revaz die zentralen Leitlinien der Energiepolitik des Bundes. Er dankte dem VSE für die Lancierung des neuen Indexes, der auf einfache Weise aufzeigt, dass in der Energieversorgung noch Vieles zu tun ist. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass das «Age of Electricity» begonnen hat. Revaz hob hervor, dass alle Schweizerinnen und Schweizer vor denselben Herausforderungen stehen, und zitierte Bundesrat Delamuraz: «Die Schweizer stehen früh auf, aber erwachen spät.»

Bilder des Anlasses finden Sie ab nächster Woche auf:

www.stromkongress.ch.

Mediensprecherin

Irit Mandel

Tel. +41 62 825 25 30, irit.mandel@strom.ch

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