Los geht’s!

Sich mit ambitionierten Zielen als politischer Vorreiter zu qualifizieren, gelingt vielen. Erst die Umsetzung zeigt, wie fit wir tatsächlich sind. Diese Nagelprobe gilt es nun mit der Energie- und Klimastrategie zu bestehen.
08.07.2021

Die sportlichen Highlights dieses Sommers zeigen: sich zu qualifizieren, gelingt vielen. Um aber das Finale zu erreichen, braucht es hartes Training, starken Willen, ein gutes Team – und im entscheidenden Moment auch etwas Glück. Ähnlich ist es in der Politik. Sich mit ambitionierten Zielen als klimapolitischer Vorreiter zu qualifizieren, ist vergleichsweise einfach. Erst die Umsetzung zeigt, wie fit wir tatsächlich sind.

Das Ziel einer deutlichen Reduktion der fossilen Energien dürfte trotz Ablehnung des CO2-Gesetzes Konsens sein. Fossile Energien werden insbesondere durch erneuerbaren Strom abgelöst. Dazu muss die Schweiz quasi nochmal ihren gesamten Wasserkraftpark bauen: es braucht kolossale Mengen an Photovoltaik, aber insbesondere auch Wind, Biomasse und mehr Wasserkraft. Die Technologien dafür sind da und erprobt. Das Training wurde erfolgreich absolviert.

Auch das Kapital steht bereit. Aber das Spielfeld, auf dem die Technologien nun breit eingesetzt werden müssten, ist noch eine Baustelle. Solange jedes Projekt ein jahrelanger Spiessrutenlauf bleibt, werden wir es trotz starken Willens kaum ins Finale schaffen. Unter heutigen Bedingungen dauerte es über hundert Jahre, um die erneuerbaren Energien soweit wie nötig auszubauen. Es braucht daher schleunigst verlässliche Anreize und klare Verfahren, damit der Wille zu investieren auch in der Schweiz Wirkung entfaltet.

«Die Technologien sind da und erprobt. Auch das Kapital steht bereit. Aber das Spielfeld, auf dem die Technologien nun breit eingesetzt werden müssten, ist noch eine Baustelle.»

Der Kampfesgeist wird auch durch den Entscheid gegen das Rahmenabkommen auf eine harte Probe gestellt. Kein Rahmenabkommen heisst kein Stromabkommen und keine geregelte Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn. Das Versorgungsrisiko durch nicht abgesicherte Importe steigt dadurch drastisch – und damit der Druck auf eine möglichst eigenständige Energiebereitstellung im Inland. Dadurch wird die Schweiz zunehmend zur Solokämpferin.

Hohe Ambitionen und ein schwieriges Umfeld verlangen nach einer perfekten Organisation im Hintergrund. Ein Team, das am gleichen Strick zieht, kann zu Höchstleistungen anspornen. Das Schweizer Team, das treibend hinter der Energiewende stehen müsste, erscheint indes uneins und reibt sich zwischen divergierenden Prioritäten und Einzelinteressen auf.

Von vornherein auf das Glück zu hoffen, ist für die Stromversorgung bestimmt nicht die richtige Strategie, denn ohne Strom läuft nichts. Stehen wir daher unverzüglich zusammen, tragen unseren starken Willen nach aussen und geben alles, um als Gewinner vom Feld zu gehen. Los geht’s!

Siehe auch


Die politische Feder

Unter der Rubrik "Die politische Feder" veröffentlicht Dominique Martin, Bereichsleiter Public Affairs des VSE, regelmässig Kommentare und Einschätzungen zu energiepolitischen Themen.