Kolossal

Das Ziel einer klimaneutralen Schweiz bis 2050 stellt uns vor eine kolossale Herausforderung. Um es zu erreichen, müssen alle erneuerbaren Energien – Wasser, Sonne, Wind, Biomasse, Geothermie – massiv zulegen und das Tempo dieses Ausbaus muss sich deutlich beschleunigen. Um welche Grössenordnungen es geht? Das lesen Sie in der neusten politischen Feder.
23.03.2021

Kolossal – so etwa lässt sich die Herausforderung auf den Punkt bringen, der sich die Gesellschaft zu stellen hat. Der Weg zu einer klimaneutralen Schweiz heisst: Null Treibhausgasemissionen. Das wiederum braucht Unmengen an erneuerbaren Energien. Und das alles bis 2050.

Das Bundesamt für Energie hat dies unlängst mit Zahlen untermalt. Demnach muss sich die inländische Produktion aus Sonne, Wind, Biomasse und Geothermie verzehnfachen. Der Löwenanteil entfällt wenig überraschend auf die Photovoltaik, die mit der Wasserkraft gleichziehen muss. Mit dem heutigen Tempo würde dies indes über 100 Jahre brauchen. Ungenügend für die Klimaneutralität bis 2050.

«Um die klimaneutrale Schweiz nicht erst nach dem Jahr 2100 zu erreichen, muss der Ausbau aller erneuerbaren Energien deutlich zulegen.»

Auch die Wasserkraft muss kräftig zulegen. Von ihr werden zusätzliche 10 % erwartet. Und darüber hinaus müssen 5 % kompensiert werden, die vor allem durch höhere Restwassermengen verloren gehen werden. Dies kontrastiert mit den Schwierigkeiten, für Projekte die nötige Akzeptanz zu finden. Der von der UVEK-Vorsteherin einberufene Runde Tisch gibt immerhin Hoffnung auf einen Schritt in Richtung einer Verständigung.

Vor allem im Winterhalbjahr, in dem Strom Mangelware sein wird, zählt jede Kilowattstunde. Solche liefert auch die Windenergie. Den Beweis, dass sie einen Beitrag zu leisten hat, hat sie bereits angetreten: In den beiden letzten Jahren lag die Produktion der 42 bestehenden Anlagen deutlich über den Erwartungen. Wenn zudem alle in Planung stehenden oder vor Gericht hängigen Projekte realisiert würden, wäre der für 2035 veranschlagte Beitrag der Windenergie mehr als erreicht.

Das Jahr 2035 zeichnet sich gleichwohl als Schicksalsjahr ab. Geht man davon aus, dass die Kernkraftwerke nicht älter als 50 Jahre werden, verschwindet Leibstadt als jüngste Anlage 2034 aus dem Portfolio. Dadurch wird die Schweiz im Winterhalbjahr rund 40 % ihres Verbrauchs durch Importe decken müssen – eine schwere Hypothek mit erheblichen Risiken.

Um die klimaneutrale Schweiz nicht erst nach dem Jahr 2100 zu erreichen, muss der Ausbau aller erneuerbaren Energien deutlich zulegen. Die Massnahmen sind bekannt – und die Technologien verfügbar. Jetzt gilt es, das pharaonisch anmutende Vorhaben unverzüglich anzupacken.

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Die politische Feder

Unter der Rubrik "Die politische Feder" veröffentlicht Dominique Martin, Bereichsleiter Public Affairs des VSE, regelmässig Kommentare und Einschätzungen zu energiepolitischen Themen.