Handelsblatt Energie-Gipfel in Berlin: Die wichtigsten Statements

Von 20. bis 22. Januar fand in Berlin der Handelsblatt Energie-Gipfel statt. Sieht sich die deutsche Energiebranche auf Kurs? Die wichtigsten Beiträge prominenter Teilnehmer im Überblick – und ein Videorückblick.
24.01.2020

- Oft wird darüber gesprochen, wie hoch der Anteil der Erneuerbaren Energie am Strommix in Deutschland ist – und wie hoch er noch werden soll. Aktuell ist knapp 40% der deutschen Stromproduktion erneuerbar, die Hälfte davon verdankt Deutschland dem Windstrom.

- Der Anteil der Erneuerbaren am Gesamtenergiemix zeigt, dass der Weg zur Klimaneutralität noch weit ist. Der Verkehr und das Heizen mit fossilen Ressourcen verursachen viel Treibhausgase. Gut 60% der verbrauchten Energie Deutschlands stammt immer noch aus nicht-erneuerbaren Quellen. Den Löwenanteil machen Braunkohle und Erdgas aus.

- Experten des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität Köln (EWI) schätzen den Bruttostromverbrauch Deutschlands im Jahr 2030 auf bis zu 748 Terrawattstunden (TWh). Das wäre ein Viertel mehr als heute. Weil Deutschland aus Kohle und Kernkraft gleichermassen aussteigt, ist eine Versorgungslücke zu erwarten.

- Gaskraftwerke dürften als Brückentechnologie dienen, um diese Lücke zu schliessen. Nicht nur fossiles Gas, sondern immer öfter auch erneuerbares Gas. Uniper-Chef Andreas Schierenbeck sieht die Lösung langfristig bei grünem Wasserstoff. "Das wird fünf bis zehn Jahre dauern, und so lange braucht es eben fossiles Gas." Dann könne schrittweise eine Wasserstoff-Wirtschaft entstehen.

«Gut 60% der Energie Deutschlands stammt noch aus nicht-erneuerbaren Quellen.»

- Der Fahrplan für den deutschen Kohleausstieg bis 2038 wird heftig kritisiert. Klimaschützer sehen ihn als zu wenig ehrgeizig. Aber nicht nur die Fridays-for-Future-Aktivisten sagen das. Die Co-Vorsitzende der Kohlekommission, Wissenschaftlerin Barbara Praetorius, hält den Ausstiegspfad für ungeeignet, um die deutschen Klimaziele zu erreichen. Klare politische Leitplanken, etwa Planungssicherheit für Erneuerbare, seien nun unabdingbar.

- Christoph Wolff, Leiter der Mobilitätsinitiative des World Economic Forum (WEF), sieht drei Trends für die Mobilität der Zukunft: die Entwicklung hin zum autonomen Fahren, der Wandel zur Elektromobilität und die geteilte Mobilität, also Shared Mobility. Diese Trends würden Verschmutzung, Staus und Unfälle reduzieren.

- Eon-Chef Johannes Teyssen fordert eine milliardenschwere Entlastung der Bürger bei den Strompreisen. Die Bundesregierung soll die EEG-Umlage, mit der die Stromkunden bisher den Ausbau der erneuerbaren Energien mitfinanzieren, komplett abschaffen. Dafür soll der Bund unter anderem die erwarteten Einnahmen aus der Ausweitung des Emissionshandels auf die Sektoren Wärme und Verkehr verwenden.

- Wirtschaftsminister Peter Altmaier stellte eine Senkung der Strompreise über die bisherigen Pläne der Bundesregierung hinaus in Aussicht. Um Kosten zu senken, helfe es zudem, dass in den kommenden Jahren alte Anlagen durch effizientere ersetzt würden, sagte Altmaier mit Blick auf Windkraftanlagen an Land.