Die Schweiz befindet sich mitten im Umbau ihres Energiesystems. Doch der Ausbau der erneuerbaren Energien und eine zuverlässige Stromversorgung kosten viel Geld. Der Umbau des Energiesystems erfordert nicht nur den reibungslosen Betrieb, sondern vor allem auch erhebliche und langfristige Investitionen in Ausbau und Erneuerung der Stromnetze und Produktionsanlagen. Um die energie- und klimapolitischen Ziele zu erreichen, sind gemäss BFE bis 2050 Investitionen von rund 1500 Milliarden Franken erforderlich. Die im Jahr 2025 neu eingeführte WACC-Methodik (Weighted Average Cost of Capital) zur Berechnung der Kapitalrendite, gefährdet die Stabilität und damit die notwendige Rechts- und Investitionssicherheit. Denn eine stabile und wettbewerbsfähige Kapitalrendite ist der massgebliche Faktor für Investoren.
Mit der erneuten Senkung des WACC für die Stromnetze auf 3.28% für das Tarifjahr 2027 werden der Energiewende gegenüber dem Tarifjahr 2026 nochmals über 30 Millionen Franken entzogen. Seit der Änderung der Methodik sind es somit bereits 180 Millionen Franken. Dieses Kapital fehlt für den dringend benötigten Um- und Ausbau des Stromnetzes. Auch der Effekt auf die Förderinstrumente für erneuerbare Energien ist deutlich: Der WACC für die Wasserkraft sowie PV-Anlagen sinkt um rund 0.8 Prozentpunkte.
Statt Kostenentlastung drohen Mehrkosten für Bevölkerung und Wirtschaft
Die vom Bundesrat beschlossene Senkung des Zinssatzes widerspricht eindeutig den Zielen des von der Schweizer Bevölkerung deutlich angenommenen Stromgesetzes. Denn was auf den ersten Blick nach einem Vorteil für die Stromkunden und -kundinnen aussieht – nämlich die kurzfristige Senkung der Netztarife – hat langfristig eine gefährliche Kehrseite: Die Gefährdung der Versorgungssicherheit aufgrund fehlender Investitionssicherheit für potenzielle Investoren.
Es droht die Gefahr, dass bei sinkenden Marktzinsen Notfallmassnahmen notwendig werden, um den WACC zu stabilisieren. Dies war in unseren Nachbarländern bereits der Fall: In der wenige Jahre zurückliegenden Tiefzinsphase nach der Finanzkrise 2008 bis 2021 musste in mehreren Ländern kurzfristig der Staat finanziell eingreifen.
Die vom UVEK kurzfristig erzielten Einsparungen für die Stromkunden und Stromkundinnen bei den Netztarifen stehen in keinem Verhältnis zum möglichen Schaden, welcher fehlende Investitionen, Versorgungsengpässe und Notfallmassnahmen verursachen. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, sind verlässliche Rahmenbedingungen, die Anreize für Investitionen sowie Planungssicherheit schaffen, nötig. Damit ausreichend in das Energiesystem investiert wird, braucht es eine Kapitalrendite, die wettbewerbsfähig ist und Kontinuität gewährleistet.
Wer Versorgungssicherheit will, muss Investitionssicherheit liefern – sonst fehlt das Kapital dort, wo es am dringendsten gebraucht wird – und das gefährdet wiederum den Ausbau der erneuerbaren Energien und die Zuverlässigkeit der Stromversorgung und damit die Energiewende.
Irit Mandel
Tel. +41 62 825 25 30, irit.mandel@strom.ch
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