Effizienz dank Wettbewerb

Gibt es die «perfekte Förderung» erneuerbarer Energien? Wohl kaum. Aber man kann die Förderung wie eine Auktion gestalten, so dass sie möglichst effizient wird und mit begrenzten Fördermitteln mehr Produktion zugebaut werden kann.
26.11.2020

Die beiden Forscher Paul Milgrom und Robert Wilson haben sich der Suche nach der «perfekten Versteigerung» verschrieben. Dafür erhalten sie 2020 den Wirtschaftsnobelpreis. Im Energiesektor gehören Auktionen zum Alltag. Sie bestimmen den Wert von Strom oder den Preis von Emissionshandelszertifikaten.

Dieses Instrument soll neu auch in der Förderung Einzug halten. Was der Bundesrat nur für grosse Photovoltaikanlagen beabsichtigt, fordert der VSE für alle grösseren Anlagen. Denn Ausschreibungen sind als wettbewerbliches Instrument bestens geeignet, erneuerbare Energien effizient zu fördern. Während administrierte Beiträge aufwendig anhand der individuellen Kostensituation berechnet werden müssen, entfällt diese Bürokratie bei Ausschreibungen. So kommen zuerst die günstigsten Anbieter zum Zug und wird der Wettbewerb zwischen den Unternehmen stimuliert. Mit den begrenzten Fördermitteln kann so mehr Produktion zugebaut werden.

«Kommt bei Auktionen zuerst der günstigste Anbieter zum Zug, wird der Wettbewerb zwischen den Unternehmen stimuliert. Mit den begrenzten Fördermitteln kann so mehr Produktion zugebaut werden.»

Im Zentrum muss dabei vor allem der Anreiz für die Produktion im Winter stehen. Sowohl Beiträge für die Kapazität als auch für die Einspeisung kommen dafür in Frage. Entscheidend sind die Wirksamkeit für die Investitions­tätigkeit und die Tragbarkeit für die Endverbraucher.

Für Kleinanlagen ist die eingespielte Einmalvergütung weiterhin das passende Instrument. Um eine möglichst hohe Stromernte zu erzielen, müssen die verfügbaren Dachflächen aber optimal ausgenutzt werden. Bei der Abnahme des nicht selbst verbrauchten Stroms ist entgegen der Absicht des Bundesrates eine Systemänderung unumgänglich. Statt durch jeden einzelnen Netzbetreiber ist dieser Strom durch eine unabhängige zentrale Stelle abzunehmen und zu Marktpreisen zu vergüten. Dies stellt die Gleichbehandlung der Netzbetreiber einerseits und der Produzenten andererseits sicher.

Mit diesen von unserer Branche geforderten Anpassungen würde die Förderung erneuerbarer Energien künftig wettbewerblicher, marktorientierter und damit effizienter. Auch wenn eine nicht rein marktbasierte Stromversorgung kaum nobelpreiswürdig erscheint, kämen wir so immerhin der «perfekten Förderung» einen Schritt näher.

Siehe auch


Die politische Feder

Unter der Rubrik "Die politische Feder" veröffentlicht Dominique Martin, Bereichsleiter Public Affairs des VSE, regelmässig Kommentare und Einschätzungen zu energiepolitischen Themen.