«10 Länder Europas schätzen das Stromangebot als kritisch ein»

Mit dem Pariser Klimaabkommen und der Energiestrategie 2050 wurden energiepolitische Weichen gestellt. Am 13. Schweizerischen Stromkongress im Kursaal Bern beschäftigen sich über 400 hochrangige Vertreter aus Strombranche, Wirtschaft und Politik mit der Gegenwart und Zukunft der schweizerischen Energielandschaft. Organisiert wird der Schweizerische Stromkongress vom Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) und Electrosuisse.
18.01.2019

Eröffnet wurde der 13. Schweizerische Stromkongress im Berner Kursaal durch Michael Wider, Präsident des VSE. In seinem Referat betonte Michael Wider die Bedenken zehn europäischer Länder im Hinblick auf den aktuellen Strommarkt: «Das Stromangebot wird als kritisch eingeschätzt – und damit die Versorgungssicherheit. Das hat mit dem Energy-Only-Markt zu tun, in dem Kunden nur nach bezogenen Kilowattstunden bezahlen. Im Kurzfristbereich funktioniert dieses Marktmodell, dank wirtschaftlich nachvollziehbaren Mechanismen und Marktbewegungen. Im Mittel- und Langfristbereich vermag der Energy-Only-Markt aber kaum günstige Signale zu setzen. Das gilt für Europa ebenso wie für die Schweiz. Auch die dezentrale Stromwelt wird diese Problematik nur abschwächen, nicht aber lösen können.» Ein Stromabkommen mit der EU würde eine solidere Basis für die internationale Zusammenarbeit schaffen, so Wider. «Zum einen, weil die Schweiz seit 1957 physikalisch in Europa eingebunden ist, und es zunehmend schwierig und teuer wird, die Netzstabilität sicherzustellen. Zum anderen, weil sich jetzt der finanzielle Impact eines fehlenden Abkommens auf den Stromhandel auch deutlich zeigt.»

Yves Zumwald, CEO Swissgrid AG, nahm das Thema Netzssicherheit auf und zeigte eindrücklich, wie sich das fehlende Stromabkommen auf die Netzstabilität und die Arbeit von Swissgrid auswirkt: «Die Netzstabilität kann nur in einem europäischen Kontext garantiert werden. Fortschritte im Netzausbau in der Schweiz sind da, aber nur schleppend. In Europa werden wir immer öfter ausgeschlossen, etwa bei der Intraday-Kopplung der Märkte.»

In einem engagierten Podiumsgespräch diskutierten Vertreter der Parteien FDP, SP, GLP und BDP die Stromzukunft. Konsens bestand in der Frage, dass die Schweiz keine reine Importstrategie fahren kann – und mittel- sowie langfristige Investitionsanreize für die erneuerbare heimische Produktion zentral sind.

Benoît Revaz, Direktor Bundesamt für Energie BFE, äusserte sich zum Thema Marktöffnung: «Eine komplette Marktöffnung bringt dem Kunden Transparenz, mehr Effizienz und Wahlmöglichkeiten. Erneuerbare werden besser in den Markt integriert – und Kunden können ihre eigenen Flexibilitäten anbieten.» Um das Verhältnis zwischen der Schweiz und der EU ging es auch bei Michael Matthiessen, Botschafter der EU für die Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein. Er betonte, die bilateralen Verhandlungen mit der Schweiz seien beendet. «Das vorliegende Rahmenabkommen – und damit ein mögliches Stromabkommen mit der EU – ist jetzt im unbedingten wirtschaftlichen Interesse beider Parteien.»

Carlo Schmid-Sutter, der scheidende Präsident der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom), äusserte sich zum Thema Stromnetze. Die Netztarifierung müsse weiterentwickelt werden, um neuen Entwicklungen der dezentralen Stromwelt gerecht zu werden. Es gelte dabei, die Finanzierung des Netzes sicherzustellen und eine Entsolidarisierung zwischen den Netznutzern zu verhindern. «Versorgungssicherheit und -qualität hat ihren Preis; wir stellen ein hohes Niveau sicher; aber die Netz-Effizienz muss in den nächsten Jahren gesteigert werden», so Schmid-Sutter.

Roman Haltinner, Cybersecurity, EY Schweiz, warnte vor der wachsenden Gefahr, die Energie-Infrastrukturen heute durch Hacker droht: «Professionelle Angrffe sind längst auch von Laien übers Darknet bestellbar.» Entsprechend gross sei der Bedarf an fähigen ICT-Sicherheitsexperten.

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