VSE Umfrage zeigt: Stromtarife 2027 dürften weiter sinken

29.06.2026
Die Stromtarife in der Grundversorgung dürften 2027 erneut im Vergleich zum Vorjahr sinken. Gründe dafür sind wie im letzten Jahr die sinkenden Preise auf dem Strommarkt. Trotz des Preisanstiegs seit dem Beginn des Irankriegs blieb der Einfluss auf die Tarife vorerst aus. Die langfristigen Beschaffungsstrategien wirken auch in einem angespannten geopolitischen Umfeld stabilisierend.

An der jährlich durchgeführten VSE Strompreisumfrage nahmen von 323 angeschriebenen Energieversorgungsunternehmen (EVU) 75 teil, 35 konnten ihre absoluten Stromtarife 2027 bereits angegeben und 40 beantworteten die Umfrage qualitativ.

Die Tarife der 35 EVU, die bereits konkrete Angaben machen konnten, sinken im Median um rund 6% für H4- und 3% für H2-Haushaltskunden. Auch die Tarife für C3- und C4-Kunden sinken um 7% bzw. 4%. Der Median für H4-Haushaltskunden liegt gemäss Umfrage für 2027 bei 26.6 Rp./kWh im Vergleich zum Vorjahr 2026, wo der Wert für diese EVU bei 28.6 Rp./kWh lag. Das ist eine weitere deutliche Abwärtsbewegung seit der Energiekrise, welche durch den Ukrainekrieg ausgelöst wurde: im Jahr 2024 befand sich der Wert noch bei 33.0 Rp./kWh.

Von den 40 teilnehmenden EVU, die den Tarif noch nicht konkret beziffern, aber qualitativ beantworten konnten, meldet die Mehrheit ebenfalls sinkende oder gleichbleibende Stromtarife für das Jahr 2027. 

Energiekosten sinken

Die Energietarife sinken je nach Kundengruppe im Durchschnitt um 6 bis 15% und tragen damit massgeblich zu den tieferen Stromtarifen bei. Hauptgrund für die tieferen Kosten sind rückläufige Preise auf den Stromgrosshandels­märkten. Zwar führte der Beginn des Irankriegs Ende Februar 2026 zu einem Anstieg der Strompreise auf dem Terminmarkt. Dies schlägt sich aber vorerst kaum in den aktuellen Tarifen nieder. Grund dafür sind die langfristigen Beschaffungsstrategien der EVU, welche in dieser Situation stabilisierend wirken. 

Seit Inkrafttreten des Stromgesetzes setzen die EVU noch stärker auf eine längerfristige Beschaffung: 75% beschaffen die Energie am Markt mehrheitlich langfristig, also zwei bis drei Jahre oder länger im Voraus, während 25% kürzere Beschaffungsfristen wählen oder eine kurz-, mittel- und langfristige Beschaffung kombinieren. Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben hat die vorwiegend kurzfristige Beschaffung als Strategie an Bedeutung verloren.

Netzkosten bleiben stabil

Die Netztarife für 2027 bleiben im Vergleich zu 2026 im Mittel stabil. Zwar ist der Tarif für das Verteilnetz einerseits leicht gestiegen, während der Tarif für das Übertragungsnetz gesunken ist. Dank wirksamer Massnahmen in den Bereichen Engpassmanagement und Systemdienstleistungen gehen die entsprechenden Kosten bei Swissgrid zurück. Davon profitieren sowohl Haushalte als auch Unternehmen. Die Entwicklung der Tarife auf Ebene Verteilnetz hängen stark vom entsprechenden Netzgebiet ab (Investitionen in Verteilnetze wie Netzausbau und Netzverstärkungen).

Definitive Preise im September 

Die Festlegung der Stromtarife für die Grundversorgung erfolgt nach klaren gesetzlichen Vorgaben. Die definitiven Stromtarife für das Jahr 2027 müssen die rund 580 Grundversorger bis spätestens Ende August ihren Kundinnen und Kunden und der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) melden. Diese veröffentlicht sämtliche Tarife Anfang September. 

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Der Strompreis setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die unterschiedliche Aufgaben innerhalb der Stromversorgung abdecken – von der eigentlichen Energie über die Netznutzung bis hin zu Messdienstleistungen und öffentlichen Abgaben.

Der Strompreis besteht aus fünf Komponenten: 

  1. Energietarif: Kosten für den gelieferten Strom
  2. Netznutzungstarif: Kosten u.a. für Bau, Betrieb und Unterhalt der Stromnetze sowie die Kosten für die inländische Stromreserve und der Tarifzuschlag für solidarisierte Kosten über das Übertragungsnetz. Die solidarisierten Kosten beinhalten die Überbrückungshilfen für Eisen-, Stahl- und Aluminiumproduzenten von strategischer Bedeutung.
  3. Messtarif: Kosten für den Einbau, Betrieb, Unterhalt und die Ablesung von Stromzählern sowie die Verarbeitung der Messdaten, welche ab 2026 separat auszuweisen sind.
  4. Abgaben an Kantone und Gemeinden
  5. Netzzuschlag von 2.3 Rp./kWh u.a. zur Förderung von erneuerbaren Energien. Massgebend für die Höhe des Strompreises sind der Energie- und der Netznutzungstarif. 

Im Video erklärt

Eckwerte der VSE Strompreisumfrage 

Die Onlineumfrage zu den Tarifen für H2-, H4-, C3- sowie C4-Kunden lief vom 18. Mai bis 9. Juni 2026. 75 Stromversorger haben geantwortet.35 Stromversorger haben sich zu den absoluten Tarifen 2027 geäussert.  Weitere 40 EVU haben die Umfrage qualitativ beantwortet.

Mediensprecherin

Irit Mandel

Tel. +41 62 825 25 30, irit.mandel@strom.ch

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