Sorge vor Stromlücke steigt: Schweizer Bevölkerung will pragmatische Energiepolitik

07.06.2026
Die Sorge um die Stromversorgungssicherheit in der Schweiz wächst spürbar – und mit ihr der Ruf nach raschen, wirksamen Lösungen. Laut einer Umfrage von gfs.bern im Auftrag des VSE zeigt sich die Schweizer Bevölkerung zunehmend technologieoffen und ist bereit, klare Prioritäten zugunsten von sicherem und bezahlbarem Strom zu setzen.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie: 

  • 58% zeigen sich besorgt über die langfristige Stromversorgungssicherheit.
  • 64% bezweifeln, dass erneuerbare Energien ausreichen, um den Strombedarf der Schweiz zu decken. 
  • 79% der Befragten befürworten eine Verlängerung der Betriebsdauer bestehender Kernkraftwerke. 
  • 66% der Schweizer Bevölkerung unterstützen ein Stromabkommen mit der EU. 

Versorgungssicherheit bleibt klare Priorität 

Die Besorgnis der Schweizer Bevölkerung nimmt deutlich zu: 58% geben an, sich Sorgen um die langfristige Stromversorgungssicherheit der Schweiz zu machen (gegenüber 51% im Jahr 2025). Gleichzeitig wächst der Druck auf die Energiepolitik: 67% halten die Energiewende für zu langsam, während 64% bezweifeln, dass erneuerbare Energien allein ausreichen, um den Strombedarf zu decken. 

Im Trilemma zwischen Versorgungssicherheit, Preis und Klima sind die Prioritäten deutlich: Die Versorgungssicherheit bleibt das wichtigste Anliegen (45%), gefolgt vom Preis (32%) und einer klimaneutralen Energieproduktion (21%), welche vor drei Jahren noch den zweiten Platz einnahm. Das zeigt: Die Prioritäten der Bevölkerung haben sich spürbar verschoben.. 

Bevölkerung ist technologieoffen 

Angesichts der Sorgen verfolgt die Bevölkerung einen pragmatischen Ansatz: Sie ist kostenbewusst und zeigt sich offener für die verschiedenen verfügbaren Technologien, mit dem klaren Willen, Stromengpässe zu verhindern. Für Michael Frank, Direktor des VSE, ist die Botschaft klar: «Die Bevölkerung will endlich konkrete Lösungen zur Sicherung der Stromversorgung und ist dafür bereit, die ideologischen Gräben zu überwinden». 

In diesem Zusammenhang etabliert sich die inländische Stromproduktion immer mehr als zentraler Hebel: 58% geben an, Kompromisse beim Umweltschutz zu akzeptieren, um die einheimische Produktion zu stärken. Martin Schwab, Präsident des VSE, erklärt: «Handeln wir jetzt nicht entschlossener, verfehlen wir die Versorgungsziele klar. Die Bevölkerung hat das erkannt. Jetzt ist die Politik am Zug: rasch reagieren, konsequent handeln und die notwendigen Entscheidungen treffen.»

Der Schweizer Stromversorgungs-Index des VSE untermauert diese Feststellung: Mit einem prognostizierten Wert von 69 von 100 Punkten im Jahr 2050 wird die Schweiz ihre Versorgungsziele ohne zusätzliche Massnahmen verfehlen.

Kernenergie gewinnt an Rückhalt

Die auffälligste Entwicklung betrifft die Kernenergie: Zum ersten Mal gibt die Hälfte der Befragten an, ein neues Kernkraftwerk einer Vielzahl weiterer erneuerbarer Stromproduktionsanlagen vorzuziehen (+9 Prozentpunkte). 79% befürworten zudem den Weiterbetrieb bestehender Kraftwerke, solange diese sicher sind, und 59% halten den Bau von Kraftwerken der neuen Generation für sinnvoll. 

Erneuerbare Energien können auch 2026 auf breite Unterstützung zählen. Wenn der Ausbau der Erneuerbaren aber nicht reicht, um die Stromversorgung sicherzustellen, spricht sich die Schweizer Bevölkerung weiterhin eher für Kernkraftwerke (58%, +9 Pp.) als für Gaskraftwerke (26%) aus.

Diese Entwicklung widerspiegelt sich auch in der politischen Debatte um die Blackout-Initiative und deren indirekten Gegenvorschlag. Würde heute über den Gegenvorschlag abgestimmt, der eine Aufhebung des Neubauverbots für Kernkraftwerke vorsieht, würden 50% der Bevölkerung diesem zustimmen. 

Breite Unterstützung für das Stromabkommen 

Die Unterstützung für das Stromabkommen mit der EU ist weiterhin hoch, über alle politischen Lager hinweg - trotz eines leichten Rückgangs gegenüber 2025. 

Auch wenn 66% dieses Abkommen weiterhin befürworten, sind die Meinungen hinsichtlich seiner konkreten Auswirkungen, insbesondere auf die Preise und die Souveränität, differenzierter. Das Abkommen mit der EU wird vor allem als ein zentrales Instrument für die Versorgungssicherheit unseres Landes gesehen: 71% halten es für wichtig, um Stromimporte im Winter sicherzustellen. 

Regionale Unterschiede bei den Ergebnissen

Die Studie zeigt regionale Unterschiede auf. In der Westschweiz sind die Bedenken hinsichtlich Kosten und Umwelt besonders ausgeprägt. In der Deutschschweiz scheint der Ansatz pragmatischer zu sein, mit einer grösseren Offenheit gegenüber den verschiedenen Produktionstechnologien.

Seit 2022 führt das Politik- und Kommunikationsforschungsinstitut gfs.bern im Auftrag des VSE eine jährliche Bevölkerungsumfrage zur Versorgungssicherheit und Energiepolitik durch.

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Über die Umfrage

Im Auftrag des VSE führte gfs.bern bereits im fünften Jahr eine Bevölkerungsumfrage zur Energiepolitik und zur Versorgungssicherheit durch. Die Umfrage 2026 wurde im März und April durchgeführt. Die repräsentative Stichprobe umfasst 1'015 Befragte aus allen Landesteilen, mit einem Stichprobenfehler von +/- 3.1 Prozent bei 50/50 und 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit.

Mediensprecherin

Irit Mandel

Tel. +41 62 825 25 30, irit.mandel@strom.ch

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