Nicolas Crettenand folgt auf Antje Kanngiesser, die seit 2024 für die Gruppierung swisselectric im VSE Vorstand tätig war.
3 Fragen an Nicolas Crettenand
Welche aktuellen Herausforderungen oder Entwicklungen beobachtest du zurzeit, die den VSE in naher Zukunft beschäftigen werden?
Die grösste Herausforderung bleibt die langfristige Sicherstellung der Stromversorgung, insbesondere im Winter. Der Umbau des Energiesystems ist komplex: Der Ausbau erneuerbarer Energien muss deutlich beschleunigt werden, gleichzeitig braucht es verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen in bestehende und neue Produktionsanlagen. Hinzu kommen der notwendige Netzausbau, die Umsetzung des Stromgesetzes sowie die Einbindung der Schweiz in den europäischen Strommarkt. All diese Themen verlangen nach einem ganzheitlichen Blick und einer engen Abstimmung innerhalb der Branche.
Welche Aufgaben des VSE sind deiner Meinung nach momentan besonders wichtig?
Der VSE hat eine Schlüsselrolle als Brückenbauer innerhalb der Branche und zur Politik. Besonders wichtig ist es, die Mitgliedsunternehmen bei der Umsetzung neuer regulatorischer Vorgaben zu unterstützen und gleichzeitig faktenbasiert aufzuzeigen, was für Versorgungssicherheit und Defossilierung erforderlich ist. Dabei sehe ich den VSE als aktiven Umsetzer der Energiewende mit einem offenen und systemischen Blick darauf, wie das Energiesystem in 15 bis 20 Jahren funktionieren soll. Entscheidend ist, dass energiepolitische Diskussionen lösungsorientiert, technologieoffen und umsetzbar bleiben – und dass Themen wie inländische Produktion, Speicher, Netze und Marktmodelle gemeinsam gedacht werden. Gerade hier braucht es mehr Zusammenarbeit und weniger Gegeneinander.
Was reizt dich persönlich an der neuen Aufgabe und worauf freust du dich am meisten in der neuen Position?
Mich reizt die Möglichkeit, meine Erfahrung im Energiebereich und die politische Perspektive in den Vorstand einzubringen. Die Energietransition wird heute noch zu oft in Silos gedacht – für eine sichere und erfolgreiche Transformation braucht es eine systemische Sicht auf Strom, Gas und flüssige Treibstoffe, stets in Verbindung mit Netzen und Speichern. Dabei muss die Versorgungssicherheit jederzeit gewährleistet bleiben, insbesondere im Winter. Ich freue mich auf den Austausch im Vorstand und darauf, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen, um die Energietransition pragmatisch, systemisch und mit Blick auf die langfristige Versorgungssicherheit der Schweiz voranzubringen.