Digitale Dunkelflaute?

Die Coronakrise hat einen Digitalisierungsschub ausgelöst. Bei der Weiterentwicklung der Kommunikationsnetze herrscht hierzulande allerdings Funkstille. Das bremst nicht nur die digitale, sondern hemmt auch das Durchstarten der energetischen Wende.
26.05.2020

Strom ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Praktisch unbemerkt gewährleistet er zahllose Handlungen zu Hause oder im Büro und erweckt Bankomaten, Verkehrsampeln und Tanksäulen zum Leben.

Eng verknüpft mit vielen dieser Tätigkeiten ist die Kommunikation. Die rasante Entwicklung in diesem Bereich hat unser Leben in nur gerade zehn Jahren still revolutioniert. Kiloschwere Telefonbücher, Fahrpläne und Lexika gehören genauso wie unhandliche Stadtpläne und die telefonische Sportresultate- oder Wetterauskunft der Vergangenheit an. Das Smartphone mit seinen zahllosen Apps ist zum täglichen Begleiter geworden.

«Der Anschluss an die digitale und energetische Wende sollte es uns wert sein, die Weichen für 5G so schnell wie nötig statt so langsam wie möglich zu stellen.»

Die Coronakrise hat der Digitalisierung einen weiteren rasanten Schub verliehen. Heimarbeit ist für zahlreiche Büroangestellte gang und gäbe geworden. Die Schulen setzen auf neue, internetbasierte Konzepte zur Gewährleistung des Fernunterrichts. Die Verfügbarkeit von schnellen und zuverlässigen Kommunikationsnetzen in der gesamten Schweiz ist damit noch zentraler geworden.

Das mobile Datenaufkommen verdoppelt sich im Schnitt alle 12 bis 18 Monate. Um da Schritt zu halten, ist ein kontinuierlicher Ausbau des Netzes unvermeidlich. Mit 5G könnte dieser gewährleistet werden – und noch mehr, denn die fünfte Mobilfunkgeneration verspricht eine weitere digitale Revolution. 5G ist gleichsam Schlüsseltechnologie für die Digitalisierung sowie Innovationstreiber, der dank hoher Effizienz und schnellerer Datenübertragung völlig neue Geschäftsmodelle und Prozesse ermöglichen wird. Auch der Energiesektor könnte profitieren, denn die Digitalisierung hilft bei der Elektrifizierung, und diese wiederum ist matchentscheidend für die Dekarbonisierung.

Während sich global ein Ringen der Grossmächte um die Technologieführerschaft bei 5G entfacht hat, herrscht in der Schweiz Funkstille. Angesichts weit verbreiteter diffuser Ängste vor der Antennenstrahlung spielt der Bundesrat vorerst auf Zeit. So wird die Schweiz, bisher eine der Spitzenreiterinnen bei der mobilen Internetabdeckung, ins Hintertreffen geraten.

Ohne Weiterentwicklung der Kommunikationsnetze droht in Anbetracht der rasanten Entwicklung eine digitale Dunkelflaute. Der Anschluss an die digitale und energetische Wende sollte es uns wert sein, die Weichen für 5G so schnell wie nötig statt so langsam wie möglich zu stellen.

Siehe auch


Die politische Feder

Unter der Rubrik "Die politische Feder" veröffentlicht Dominique Martin, Bereichsleiter Public Affairs des VSE, regelmässig Kommentare und Einschätzungen zu energiepolitischen Themen.