Blockaden durchbrechen

Die politische Feder 5/2019
01.05.2019
Politische Feder 5/2019

Wo liegen in den nächsten Jahren die Herausforderungen für die Stromversorgung? Diese Frage hat der VSE unlängst Energiepolitikerinnen und Energiepolitikern aller Couleur gestellt. Die Antworten fielen erwartungsgemäss unterschiedlich aus. Und doch lassen sie erstaunlich klare Schlüsse zu:

Der Wegfall der Kernenergie kann nicht einfach durch Importe kompensiert werden, sondern macht einen Produktionsausbau im Inland nötig. Gefragt sind erneuerbare Energien und CO2-freie Grosskraftwerke. Die Elektromobilität dürfte künftig eine grössere Rolle spielen – eine gute Nachricht für das Klima, allerdings steigt dadurch der Stromverbrauch und damit auch die Herausforderung, die Stromversorgung sicherzustellen, besonders im Winter.

Die Energiestrategie 2050 gibt die Zielrichtung vor, jedoch harzt es mit ihrer Umsetzung. Besonders die Gebäudesanierung, die Windenergie und die Geothermie haben Sand im Getriebe. Allen fehlt es an Akzeptanz, der Geothermie auch an technischer Reife. Auch die Wasserkraft stösst an Grenzen. Ihr Potenzial ist weitgehend ausgeschöpft und die möglichen Projekte sind kaum wirtschaftlich realisierbar. Insbesondere die Speicherfunktion der Wasserkraft wird jedoch dringend benötigt.

«Nun sind pragmatische Lösungen und Flexibilität gefragt, um die vorherrschenden Blockaden zu durchbrechen. Anders werden sich die energiepolitischen Herausforderungen nicht bewältigen lassen.»

Auch das Stromabkommen kommt nicht vom Fleck. Vorerst ist und bleibt es Pfand des ungeklärten nachbarschaftlichen Verhältnisses zwischen der Schweiz und der Europäischen Union. Es wäre die unverzichtbare Grundlage für den reibungslosen grenzüberschreitenden Stromaustausch.

Schliesslich fehlt in der Energiepolitik eine Gesamtsicht. Dies erschwert kreative Ansätze, die über Energieträger und -netze hinweg optimale Lösungen anbieten. Gerade mit der Sektorkopplung liegt ein vielversprechendes Feld brach.

Was also ist zu tun, damit unsere wichtigste Infrastruktur auch in Zukunft verlässlich für Wirtschaft und Konsumenten im Einsatz ist? Sich aus dem Silodenken zu befreien wäre ein guter Anfang, damit ein kreativer und zeitgemässer Mix entstehen kann. Zudem braucht es Akzeptanz, ein investitionsfreundliches Klima und eine solide Einbettung der Schweiz ins europäische Umfeld.

Nun sind pragmatische Lösungen und Flexibilität gefragt, um die vorherrschenden Blockaden zu durchbrechen. Anders werden sich die energiepolitischen Herausforderungen nicht bewältigen lassen.

Siehe auch


Die politische Feder

Unter der Rubrik "Die politische Feder" veröffentlicht Dominique Martin, Bereichsleiter Public Affairs des VSE, im Branchenmagazin Bulletin regelmässig Kommentare und Einschätzungen zu energiepolitischen Themen.