Ausbau Stromnetze

Das Schweizer Übertragungsnetz ist eine Pionierleistung der Nachkriegszeit, das bei Kraftwerksausfällen den Stromaustausch mit dem angrenzenden Ausland ermöglichen sollte. Mehr als zwei Drittel des 6700 Kilometer langen Höchstspannungsnetzes hat mittlerweile seine Lebensdauer erreicht. Um die heutigen und künftigen Anforderungen der internationalen Stromversorgung zu erfüllen, muss es erneuert und ausgebaut werden.


Die nationale Übertragungsnetzbetreiberin Swissgrid hat 52 Ausbauprojekte definiert, die bis 2020 umgesetzt werden müssen. Dabei sollen rund 1000 Kilometer Leitungen erneuert und ergänzt werden. Die Kosten werden auf 6 Milliarden Franken geschätzt. Der Netzausbau muss dabei in deutlich höherem Tempo als bisher angegangen werden. Bei der aktuellen Ausbaugeschwindigkeit würde das erneuerte Übertragungsnetz erst 2070 anstatt 2020 zur Verfügung stehen.


Gelingt der notwendige Netzausbau nicht schnell genug, können unter Umständen Windkraft und Solarenergie nicht in grösserem Massstab genutzt werden. Engpässe im Netz könnten verhindern, dass die volle Leistung der Pumpspeicherwerke abgerufen werden kann. Diese Speicher sind nötig, denn sie fangen die unregelmässige Produktion von Wind und Sonne auf. Auch auf Verteilnetzebene kann es mit den einspeisenden dezentralen Anlagen zu Problemen kommen. Netzverstärkungen und -ausbauten werden daher zusammen mit zentraler smarter Netzsteuerung (Smart Grid) auch für die Integration von weiteren erneuerbaren Energien in der Schweiz notwendig.

 
 

In Zukunft intelligente Netze

Mit zunehmendem Anteil dezentraler und stochastischer Produktion gewinnt die Steuerung der Last an Bedeutung. Smart Grids verbinden und steuern Produktionsanlagen, Netz, Speicher und Verbraucher mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien. Eine neue Generation von Zählern (Smart Meter), welche die Steuerung und die Kommunikation zwischen der beteiligten Anlagen erlauben, macht das möglich. In der Europäischen Union müssen 80 Prozent der Haushalte bis 2022 mit einem Smart Meter ausgestattet sein. In der Schweiz gibt es bisher keine solche Regelung. Allerdings setzt die Schweiz die Rundsteuerung seit längerer Zeit und mit Erfolg ein. Damit können stromintensive Geräte wie Wärmeboiler gesteuert werden. Die Rundsteuerung kann als Vorgängerin eines künftigen Smart Grids betrachtet werden. Da noch etliche Hürden zu überwinden sind, ist in der Schweiz mit einer flächendeckenden Einführung eines Smart Grids mit der zugehörigen Geräte- und Anlagensteuerung über Smart Meter nicht vor 2030 zu rechnen.