Im letzten Jahr sind die Strompreise in ganz Europa auf absolute Rekordhöhen angestiegen, dies insbesondere aufgrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und der damit verbundenen Energiekrise. Die EU reagierte rasch mit einem breiten Notfall-Massnahmenpaket, um die Folgen für Haushalte und Unternehmen abzufedern. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellte zudem im vergangenen September in ihrer Rede zur Lage der Union fest, dass das EU-Strommarktdesign nicht mehr funktioniere, und kündigte an, dass dieses angepasst werden müsse. Die EU-Kommissionspräsidentin vertrat die Meinung, dass die derzeitige Ausgestaltung des Elektrizitätsmarkts, die auf dem Merit-Order-Prinzip beruht, den Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher nicht länger gerecht werde.
Darauf hat die EU-Kommission am 23. Januar 2023 eine öffentliche Konsultation zur Reform der Gestaltung des EU-Strommarktes gestartet (Frist bis 13.02.2023). Auch der VSE hatte seine Haltung zu den Fragen in der öffentlichen Konsultation eingegeben. Die EU-Kommission hat nun am 14. März 2023 ihren Vorschlag für die Reform der Strommarktgestaltung in der EU vorgelegt. Erklärtes Ziel der Reform ist es, die Verbraucher besser vor starken Preisschwankungen zu schützen, eine sichere Versorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien zu gewährleisten und die Resilienz des Marktes zu stärken.
Grundmechanismen bleiben bestehen
Die Reform des Strommarktdesigns fällt vorsichtig aus. Die gross angekündigte Strukturreform des Strommarktes von letztem September kommt zum aktuellen Zeitpunkt nicht. An den Grundmechanismen der kurzfristigen Märkte, etwa dem Merit-Order-Prinzip, welches die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke anhand ihrer Grenzkosten vorgibt, wird nicht gerüttelt. Die Anpassungen beinhalten vor allem Ergänzungen zum bestehenden Design des Grosshandelsmarkts: Langfristige «Stromverkaufsverträge» (englisch Power Purchase Agreement, kurz PPA) und zweitseitige Differenzverträge (englisch Contracts for Difference, kurz CfD) sollen einerseits für die Unterstützung von erneuerbaren Energien eingeführt und andererseits zur Glättung der Preisschwankungen beitragen. Die CfD sollen aus Sicht der Kommission in Zukunft das zentrale Instrument zur Förderung des Ausbaus der erneuerbaren Energien sein. Eine CfD-Pflicht ist allerdings nicht vorgesehen.