Die Herausforderung ist gross. Im Hinblick auf das Risiko einer Strommangellage und die Elektrifizierung der Mobilität muss mehr Strom rascher produziert werden. Gegen die laufenden Grossprojekte opponieren die Umweltverbände wegen des Landschaftsschutzes und der Biodiversität. Um die Dringlichkeit der Lage zu entschärfen, muss der Fokus daher gleichzeitig auf die Siedlungsgebiete gelegt werden.
Die Elektrizitätsunternehmen schöpfen ihre Innovationskraft aus und arbeiten an mehreren Fronten. Die Entwicklung der Solarenergie birgt ein grosses Potenzial, weshalb sie voranzutreiben und das Netz gleichzeitig an diese Vielzahl an Stromeinspeisungen anzupassen ist. Eine Herausforderung für die kommenden Jahre.
Doch es gibt zahlreiche Möglichkeiten – nehmen wir einige Schlüsselinfrastrukturen unter die Lupe.
Parkhäuser und Tankstellen
Die Produktion dort ansiedeln, wo Autos geladen werden. Eigentlich ganz logisch, nicht nur, weil der Strom teilweise dort genutzt wird, wo er produziert wird, sondern auch, weil Autofahrerinnen und Autofahrer ihre Wartezeit nutzen können. Grosse Ladenketten profitieren bereits von dieser Lücke, die Potenzial bietet: Das Einkaufszentrum Chablais Centre erzeugt mit einer 9487 m2 grossen Fläche mit PV-Modulen beispielsweise 1,8 GWh Strom pro Jahr.
Werden Autofahrerinnen und Autofahrer dazu angeregt, ihr Fahrzeug vor einem Laden aufzuladen, ist dies gleichzeitig eine Motivation, die Wartezeit für Einkäufe zu nutzen. Deshalb ist es sinnvoll, wenn sich auch Tankstellen entsprechend weiterentwickeln. Mit der Bereitstellung von Lademöglichkeiten können Mineralölunternehmen nicht nur Anteile am Stromerzeugungsmarkt, sondern auch im Detailhandel gewinnen. Die Elektromobilität stellt für das Netz eine Herausforderung dar und ist für den Handel ein Glücksfall.
Strasseninfrastruktur
Im September 2022 hat das ASTRA eine Ausschreibung lanciert. Die vorhandenen Flächen entlang der Autobahnen und Nationalstrassen sollen möglichst rasch genutzt werden. Betroffen sind rund 350 Lärmschutzwände und 100 Rastplätze. Die vergebenen Lose müssen innert drei Jahren ab Vertragsunterzeichnung umgesetzt werden. Das Potenzial des Projekts wird auf 55 GWh pro Jahr geschätzt.
Aber warum sollen nur die Flächen entlang der Autobahnen genutzt werden und nicht die gesamte Fläche, indem die Fahrbahnen überdacht werden? Genau das sieht das Projekt des Start-ups EnergyPier vor. Das Konzept verbindet Photovoltaik- und Windenergie, was den Schätzungen des Unternehmens zufolge eine Jahresproduktion von über 50 GWh ermöglichen würde. Allerdings wurden gegen diese Lösung, die in Fully getestet werden sollte, zahlreiche Beschwerden eingereicht, vor allem wegen der Auswirkungen auf die Landschaft.
Bleibt also noch die Idee, die Strassen selbst mit PV-Belägen auszustatten. Einige Modelle sind bereits im Handel, aber diese Beläge eignen sich nur für unterhaltsarme Abschnitte.
Bahninfrastruktur
Im Bahnnetz wären die Auswirkungen auf die Landschaft beschränkt. Die Herausforderung besteht jedoch darin, eine Möglichkeit zur Stromerzeugung zu finden, gleichzeitig aber sicherzustellen, dass regelmässige Unterhaltsarbeiten möglich sind. Die Lösung von Sun-Ways behebt dieses Problem dank einem Schienenfahrzeug, das die Module reihenweise platziert oder entfernt.