Politik-News

 

Die Politische Feder, Bulletin 2017/11

 

 

Ein gutes Signal

Die Stromnetze sind der Blutkreislauf der Stromversorgung. Trotzdem führen sie in der öffentlichen Wahrnehmung gleichsam ein Schattendasein. Politisch stehen meist die Stromproduktion und ihr Marktumfeld im Fokus. Gesellschaftlich werden die Netze am ehesten als Kristallisationspunkt des Widerstands gegen Höchstspannungs-Freileitungen wahrgenommen.

Zu Unrecht! Denn ohne Netz kommt der Strom nicht zum Endkunden – daran vermag vorderhand auch der steigende Anteil an dezentraler Produktion nichts zu ändern. Es ist deshalb an der Zeit, auch dem Netz die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.

Die voraussichtlich im Dezember bevorstehende Verabschiedung der Strategie Stromnetze durch die Eidgenössischen Räte ist diesbezüglich ein gutes Signal. Sie ist komplementär zur Energiestrategie 2050 und schafft wichtige Voraussetzungen, damit die Stromnetze zeit- und bedarfsgerecht bereitgestellt werden können. Als wesentliche Neuerung zu nennen ist insbesondere, dass die Netze neu nationales Interesse erhalten können. Sie ziehen damit gleich mit den erneuerbaren Energien. Bund und Kantone müssen sich zudem vermehrt im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit engagieren. Die Einführung des Mehrkostenfaktors schliesslich schafft ein klares, quantifizierbares Kriterium für den Entscheid zwischen Verkabelung und Freileitung im Verteilnetz.

Ein Wermutstropfen bleibt, konnten doch verschiedene wichtige Branchenanliegen für weitergehende Verfahrensvereinfachungen nicht vertieft diskutiert werden. So wurde die Auseinandersetzung mit den eigentlichen Inhalten der Strategie völlig überlagert durch das politische Seilziehen um die – zugegebenermassen ebenso wichtige – Frage des Absatzes von Wasserkraft in der Grundversorgung. Nichtsdestotrotz ist und bleibt die Strategie Stromnetze richtig und wichtig. Sie ist das Bekenntnis des Bundes zum Stellenwert der Stromnetze, zur Notwendigkeit ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz und zu unbürokratischen und speditiven Bewilligungsverfahren. Darauf lässt sich für die Zukunft aufbauen.

 

 

 

Dominique Martin, Bereichsleiter Public Affairs des VSE

 

 

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