Eine Viertelmillion Kilometer. So lang ist das gesamte Schweizer Stromnetz von Netzebene 1 bis 7, vom Grosskraftwerk bis in die Steckdosen in Schweizer Haushalten und Betrieben. 250 000 Kilometer entsprechen mehr als dem sechsfachen Erdumfang. Eine wahrlich lange Leitung, die im Gegensatz zur sprichwörtlichen «langen Leitung» Höchstleistungen ermöglicht und erbringt – jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, immer. Dieses Netz ist zentral, damit die Schweiz funktioniert, damit ihre Stromversorgung sichergestellt wird. Schliesslich ist die moderne Gesellschaft auf Strom angewiesen: Das fängt beim Radiowecker am Morgen an, geht weiter über die Arbeit am Computer, an der Registrierkasse oder an der Bandsäge und endet abends vor dem Fernseher, beim Videoanruf bei Freunden oder beim – dank elektrischer Beleuchtung möglichen – Lesen eines Buchs bis spät in die Nacht hinein. Dass die Versorgung mit Strom zuverlässig funktioniert, ist die Aufgabe von Kraftwerk- und Netzbetreibern. Sie sorgen heute mit zentraler Produktion dafür, dass im Netz stets so viel Strom zur Verfügung steht, wie zum jeweiligen Zeitpunkt tatsächlich gebraucht wird.
Netz ist aber nicht gleich Netz. Im bisherigen, «traditionellen» Energiesystem quert der Strom von der Produktion beispielsweise im grossen Wasserkraftwerk in den Alpen bis zur Steckdose am Arbeitsplatz sieben Netzebenen. Vom Kraftwerk wird der Strom erst via Übertragungsnetz mit einer Spannung von 380 respektive 220 kV (der Netzebene 1) über drei Transformatoren-Ebenen sowie überregionale, regionale und lokale Verteilnetze schrittweise auf eine «handelsübliche» Spannung von 400 respektive 230 Volt transformiert. Das Übertragungsnetz und die Verteilnetze sind teilweise mehrere Jahrzehnte alt. Zwar war das Netz damals so konzipiert worden, dass es auch grösser werdende Lasten zu transportieren imstande ist. Dennoch gerät es langsam, aber sicher an seine Grenzen.
Verantwortlich dafür ist einerseits sein Alter. Rund zwei Drittel des Übertragungsnetzes wurden vor 1980 erstellt. Die Erneuerung und der Ausbau dieses Netzes sind dringend nötig. Aufgrund des mannigfaltigen Widerstands und der zahlreichen Einsprachemöglichkeiten kommen diese Projekte allerdings nur sehr langsam voran. Die 30 Kilometer lange Freileitung Chamoson-Chippis ist ein Paradebeispiel dafür. Sie soll zwar in diesem Sommer ans Netz gehen. Begonnen hatten die Planungen dafür jedoch 1986 (!). Zur Erinnerung: Diego Armando Maradona führte in jenem Jahr Argentinien zum vorerst letzten Fussballweltmeister-Titel, Michail Gorbatschow lancierte «Glasnost» und «Perestroika» und Status Quo waren «In the army now».