Am 3. Juni traf der ukrainische Lastwagen in der Region Lwiw im Westen der Ukraine ein. An Bord befanden sich Notstrom-Aggregate, eine mobile Not-Heizung und Batterien für ein Spital. Die Geräte gelangten aus dem Kanton Aargau in die Ukraine. Der in Aarau domizilierte Verband der Schweizerischen Elektrizitätsunternehmen VSE hatte die Hilfslieferung auf Anfrage einer ukrainischen Zivilschutzorganisation koordiniert. Gespendet haben das gelieferte Material, elf Mitgliedunternehmen des VSE.
Dieser Transport wurde von der europäischen Energiegemeinschaft in Absprache mit einer ukrainischen Zivilschutzorganisation angestossen. Dafür musste Olivier Stössel, Leiter Netze und Sicherheit beim VSE und verantwortlich für die Koordination der Hilfslieferungen in die Ukraine, selbst die für den grenzüberschreitenden Transport notwendigen Formulare organisieren – streng nach Vorgabe mit detaillierten Angaben zu den Gütern. «Ein Mitgliedunternehmen hat uns einen Spediteur vermittelt, der für uns die Zollanmeldung für den Transport übernahm. Und ein anderes Mitglied stellte einen Teil seines Mitarbeiterparkplatzes zur Zwischenlagerung der Spendengüter zur Verfügung», erzählt Stössel.
Ein ukrainischer Fahrer, der nur aus diesem Grund die rund 1600 Kilometer lange Reise in die Schweiz auf sich nahm, brachte den Transporter nach Lwiw. Bevor es so weit war, mussten aber auch ganz praktische Probleme gelöst werden. Weil der Lastwagen nicht über eine Hebebühne verfügte, hatte eine Angestellte des Mitgliedunternehmens die Arbeiter auf der angrenzenden Baustelle davon überzeugt, mit ihrem Bagger die Spenden in den Lastwagen zu heben.
Güter, welche den EU-Raum lediglich transitieren sollen, müssen diesen binnen eines gewissen Zeitraums wieder verlassen, weil sie sonst als eingeführt gelten und dadurch hohe Zollgebühren und Mehrwertsteuern fällig werden. Mit dem ukrainischen Spediteur arbeitete man auf Vertrauensbasis, weshalb ein, zugegebenermassen kleines, finanzielles Risiko für den VSE bestand, dass Einfuhrzölle und Mehrwertsteuer in der Höhe von rund 50'000 Franken hätten bezahlt werden müssen. Doch dazu kam es nicht. Die Spendengüter sind sicher am 3. Juni in der Ukraine bei Lwiw eingetroffen und im Einsatz, wo sie dringend benötigt werden.