Herr Frank, das BFE geht von einem deutlich geringeren Ausbaupotenzial für die Wasserkraft aus. Warum setzt sich der VSE überhaupt für Investitionsanreize und tiefere Abgaben ein?
Die Schweiz braucht einen möglichst breiten Mix in inländischer erneuerbarer Produktion für eine sichere Versorgung. Es braucht letztlich Investitionsanreize und Planungssicherheit für alle, z.B. Bewilligungsverfahren für Windkraft, Netze aber auch für PV an speziellen Orten. Die Wasserkraft ist heute die tragende Säule der schweizerischen erneuerbaren Stromproduktion und zentral für die Energiestrategie 2050. Alle Erneuerbaren liefern aktuell über 60% unserer Stromproduktion, womit wir in Europa bereits heute einen Spitzenplatz einnehmen. Zusammen mit der Kernenergie ist die Schweizer Stromproduktion weitgehend CO2-frei. Im Winter tragen unsere «Speicher in den Alpen», die Stauseen, massgeblich zur Versorgungssicherheit bei. Zudem braucht es weitere Speicher, seien sie elektrisch oder chemisch.
Bei der Diskussion rund um die Wasserkraft geht es nicht nur um deren Ausbau, sondern auch um den Substanzerhalt. Alleine für die Instandhaltung der bestehenden Anlagen sind jährliche Investitionen von rund 500 Millionen CHF notwendig. Es gibt interessante Ausbaupotenziale, nämlich durch Optimierungen und Erweiterungen von bestehenden Anlagen. Diese Projekte sind unter heutigen Rahmenbedingungen mit tiefen Strompreisen und hoher Abgabenlast aber in den meisten Fällen nicht wirtschaftlich – oder sie werden von Einsprachen blockiert und verzögert.