Weniger Federn lassen

Wie lässt sich der Vogelschutz bei Stromleitungen verbessern? Dazu liegen nun Vorschläge des Bundes zur Vernehmlassung vor. Wie sich die Bedürfnisse der Stromversorgung mit einem verbesserten Vogelschutz in Einklang bringen lassen, lesen Sie in unserer neusten politischen Feder.
08.04.2020

Marder oder Eichhörnchen machen immer mal wieder von sich reden, wenn sie ungewollt in einer Unterstation einen Kurzschluss verursachen. Medien und Öffentlichkeit kümmert dabei weniger das tödliche Schicksal des armen Tiers als der von ihm ausgelöste Stromausfall. 

Auch andere Vertreter der Tierwelt können Opfer von Stromschlägen werden. Grossvögel beispielsweise können einen auf dem Strommast ungünstig gewählten Sitzplatz oder einen unglücklichen Flügelschlag mit dem Leben bezahlen. Daher regeln seit über 20 Jahren gemeinsam von den Netzbetreibern, dem Bund und den Vogelschutzorganisationen erarbeitete Richtlinien die Anforderungen an den Vogelschutz bei Stromleitungen.  

«Unbedacht alle Netze über einen Kamm zu scheren, ist nicht zielführend. Es braucht eine differenzierte Beurteilung, damit im konkreten Fall optimale Lösungen gefunden werden.»

So werden neue Masten und Freileitungen vogelsicher gebaut und bestehende Leitungen wo sinnvoll und technisch möglich nachgerüstet. Um Falke, Storch, Uhu und Co. noch besser vor dem Stromtod zu schützen, sollen nun die Vorgaben verschärft werden. Im Raum stehen Forderungen bis hin zu einem flächendeckenden und absoluten Schutz vor Stromschlägen. Dies würde allerdings schweizweit und in kurzer Frist eine umfassende Sanierungspflicht nach sich ziehen – mit unabsehbaren Folgen. 

Bei tausenden Masten kann ein vollständiger Vogelschutz nur durch bauliche Massnahmen erzielt werden. Es ist deshalb sicher zu stellen, dass diese kein Plangenehmigungsverfahren nach sich ziehen. Denn damit würde nicht nur ein zeit- und arbeitsintensiver Prozess losgetreten, sondern auch die Büchse der Pandora geöffnet, mit endlosen Einsprache- und Enteignungsverfahren bis hin zu aufwändigen Verkabelungsstudien.  

Im Rahmen der soeben lancierten Revision der Leitungsverordnung ist daher ein pragmatisches und verhältnismässiges Vorgehen gefragt. Die Ausgangslage ist nicht überall gleich. Zudem werden künftig zahlreiche Leitungen bei Änderungen oder Erweiterungen erdverlegt werden. Dadurch wird das Gefahrenpotenzial ohnehin rückläufig sein.   

Unbedacht alle Netze über einen Kamm zu scheren, ist nicht zielführend. Es braucht eine differenzierte Beurteilung, damit im konkreten Fall optimale Lösungen gefunden werden. So lassen sich die Bedürfnisse der Stromversorgung und ein verbesserter Vogelschutz unkompliziert miteinander in Einklang bringen. 

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Die politische Feder

Unter der Rubrik "Die politische Feder" veröffentlicht Dominique Martin, Bereichsleiter Public Affairs des VSE, regelmässig Kommentare und Einschätzungen zu energiepolitischen Themen.