Ein Netz fürs Klima

Ohne Stromnetz kein erneuerbarer Strom und keine Elektrifizierung. Doch die Netze müssen sich stark verändern, damit sie ihre Rolle fürs Klima spielen können. Dabei müssen sie effizient und perfekt auf die Bedürfnisse zugeschnitten sein. Diesen Anforderungen ist in der Netztarifierung Rechnung zu tragen.
19.01.2021

News, Mails oder Fahrpläne checken ist zum Reflex geworden. Dass dies jederzeit und nach Belieben möglich ist, stellen unsere Handys, ein dichtes Netz von Mobilfunkantennen und Basisstationen sowie weltweite Glasfasernetze sicher.

Ähnlich ist es bei der Stromversorgung. Auch sie braucht ein Netz, das von eng vermaschten Verteilnetzen bis zu grenzüberschreitenden Stromautobahnen reicht. Mobilfunk und Stromwelt verändern sich rasant: 5G ermöglicht dank schneller und punktgenauer Internetverbindungen Effizienz und Innovation – erneuerbare Stromproduktion und Elektrifizierung beflügeln die Dekarbonisierung.

«Es sind bei der Netztarifierung dringend Änderungen vorzunehmen. Als erste Etappe ist in der Revision des StromVG der Leistungsanteil zu erhöhen. Längerfristig braucht eine effiziente Nutzung des Netzes gezielte Anreize.»

Die Stromnetze sind dafür die Basis. Sie kombinieren fluktuierende mit steuerbarer Produktion und Speichern sowie mit den Konsumenten. Um jederzeit ein stabiles Gesamtsystem zu gewährleisten, müssen lokale, regionale und internationale Netze Hand in Hand arbeiten. Vor allem die Verteilnetze werden stärker gefordert und müssen entsprechend ausgebaut werden. Strom fliesst nämlich nicht mehr nur vom Grosskraftwerk an der Stromautobahn zu den Kunden in den Quartieren. Er wird auch in den Quartieren produziert und eingespiesen. Zudem treten mit der Elektromobilität neue leistungsstarke Bezüger auf. Für die Konsumenten bieten sich neue Chancen: Sie können selbst Strom produzieren und zur Ausbalancierung des Stromsystems ihre Flexibilität anbieten.

Eins bleibt indes gleich: Ob Produzent, Konsument oder Prosumer, alle dürfen darauf zählen, dass jederzeit genau die benötigte Kapazität zur Einspeisung oder zum Strombezug bereitsteht. Die Netze müssen daher die maximale Belastung bewältigen können – unabhängig von individuellen Stromlieferverträgen. Das kostet. Und dem ist künftig bei der Finanzierung Rechnung zu tragen. Heute vermischt die Netztarifierung nämlich Energieförder- und Energieeffizienzziele mit ihrer eigentlichen Aufgabe: ein effizientes und auf die Bedürfnisse zugeschnittenes Netz zu gewährleisten.

Es sind daher bei der Netztarifierung dringend Änderungen vorzunehmen. Als erste Etappe ist in der Revision des StromVG der Leistungsanteil zu erhöhen. Längerfristig braucht eine effiziente Nutzung des Netzes gezielte Anreize. Dazu ist Handlungsspielraum nötig, damit die Tarife die Netzbelastung wiederspiegeln. So können die Netze einer klimafreundlichen Energiezukunft den Weg bereiten.

Siehe auch


Die politische Feder

Unter der Rubrik "Die politische Feder" veröffentlicht Dominique Martin, Bereichsleiter Public Affairs des VSE, regelmässig Kommentare und Einschätzungen zu energiepolitischen Themen.