Zukunft anders denken

Ein Flugzeugsitz oder ein Holzstuhl als Bild für die Energieversorgung im Jahr 2035? Sie fragen sich sicherlich, was das soll. Seien Sie neugierig: Der VSE lässt Sie anhand des neuen, deskriptiven Denkmodells in die Energiewelt von morgen eintauchen.

 
 


Wie versorgt sich die Schweiz im Jahr 2035 mit Energie? Technologische Innovationen, das wirtschaftliche Umfeld oder politische Entscheide können unsere Branche in den nächsten zwanzig Jahren grundlegend und mit grosser Geschwindigkeit verändern.


Anstelle der klassischen, quantitativen Prognosen haben wir deshalb einen neuen Ansatz gewählt für den Blick in die Zukunft: die Energiewelten, die einen weiten Entwicklungskorridor aufspannen und eine Gesamtsicht ermöglichen.


Nehmen Sie Platz und tauchen Sie mit uns in die Zukunft ein! Ob Holzstuhl, Tech-Stuhl, Flugzeugsitz oder Fernsehsessel – auf jeder Sitzgelegenheit nehmen Sie eine andere Haltung und Perspektive ein. Jede steht für eine extreme, aber durchaus denkbare Energiewelt. Der «VSE Trend 2035» ist eine fünfte Energiewelt, die für uns aufgrund des aktuellen Wissensstands im Jahr 2035 am plausibelsten ist.


Gewohnte Perspektiven zu verlassen und die Welt aus anderem Blickwinkel zu betrachten kann ungemein anregend sein – ich wünsche Ihnen viel Spass dabei !

Michael Frank, Direktor VSE

 

 

 
  
 

Trust World

    Merkmale:
  • ABSCHOTTUNG:   Europäische Länder schotten sich im Bereich Strom ab – auch die Schweiz.
  • GASHANDEL:  International wird Gas weiterhin gehandelt.
  • CO2-ABGABE:  Es gibt eine international abgestimmte CO2-Abgabe.
  • GROSSKRAFTWERKE: In der Schweiz dominieren Wasser- sowie neu auch Gaskraftwerke.
  • ZENTRALE PRODUKTION: Europaweit überwiegt die zentrale Energieproduktion; die dezentrale wird kaum weiter ausgebaut.

 

 

Der Umbau der Energieversorgung ist zu schnell vorangeschritten, die Versorgungssicherheit hat gelitten. Deshalb haben die Menschen entschieden, bei der Energieproduktion auf bewährte und verlässliche Werte zu setzen. Im Jahr 2035 versorgt sich die Schweiz wieder selbst mit Energie aus Grosskraftwerken – genauso wie viele weitere Länder in Europa.

 

Der gute alte Fernsehsessel. Er ist zwar etwas in die Jahre gekommen, doch erfüllt er noch immer zuverlässig seinen Zweck. Sichere Werte; das ist es, worauf die Menschen 2035 in der Trust World setzen. Bis dahin hat der Umbau der Energieversorgung nur Probleme bereitet. Die steuerbaren, grossen Kraftwerke wurden zu früh vom Netz genommen, die schwankend produzierenden Erneuerbaren viel zu schnell und stark ausgebaut. Zudem wurde der Durchbruch intelligenter Lösungen verhindert, weil die Menschen persönliche Daten nicht austauschen wollten. Das hat es erschwert, die Erneuerbaren zu integrieren und die Netze flexibel zu regeln. Blackouts haben sich gehäuft, die Versorgungssicherheit ist gesunken. Die Folge: Energieversorger und Verbraucher besannen sich auf verlässliche Werte.

 
 

  
 

Trade World

    Merkmale:
  • GÜNSTIG: Energie wird dort produziert, wo sie am günstigsten ist.
  • EUROPA: Hoher Energiekonsum und starke Vernetzung mit Europa
  • MARKT: Keine Subventionen für erneuerbare Energien und keine CO2 Abgabe
  • SUBVENTIONSSTOPP: Ausbau erneuerbarer Energien stagniert
  • WIRTSCHAFTLICHKEIT: zentrale Grosskraftwerke setzen sich europaweit durch

 

Die Stromversorgung ist zunehmend teurer geworden. Grund ist die staatliche Unterstützung der erneuerbaren Energien und der gleichzeitig unrentablen konventionellen Kraftwerke. Auf Druck der Konsumenten hat der Staat diese Eingriffe gestoppt, auch die Abgabe auf CO2. Im Jahr 2035 dominieren die Marktkräfte und Grosskraftwerke versorgen wieder ganz Europa mit preiswerter Energie.


Der Strom kommt doch aus der Steckdose, oder? In der Trade World verschwenden die Menschen im Jahr 2035 kaum einen Gedanken an die Energieversorgung. Der CO2-Ausstoss kostet weiterhin nichts und  die Subventionen für erneuerbare Energien wurden eingestellt. Die Marktkräfte dominieren grenzüberschreitend und der  Ausbau erneuerbarer Energien stagniert. Die wirtschaftlichsten Technologien setzen sich durch, weshalb Grosskraftwerke ganz Europa versorgen. In der Trade World verhält es sich mit der Energie ein bisschen wie mit dem Fliegen: Die Leute machen sich wenig Gedanken dazu, Hauptsache günstig und sicher».

 

 

 
 

  
 

Local World

    Merkmale:
  • FÖRDERUNG: Staat fördert dezentrale Versorgung und Eigenverbrauch
  • VORSCHRIFTEN: Strenge Effizienzvorschriften werden akzeptiert.
  • FLEXIBILITÄT: Lokale Speicher, intelligente Netze und Wasserkraft ermöglichen die dezentrale Versorgung.
  • NETZKONVERGENZ: Strom-, Gas- und Fernwärmenetze konvergiere.
  • VERNETZUNG: Quartiere und Dörfer werden zu Eigenverbrauchs-Gemeinschaften.

 

Die Schweiz hat ihren Umgang mit Energie tiefgreifend verändert. Im Jahr 2035 leben und konsumieren die Menschen bewusst und setzen auf lokale Ressourcen und Produktion. Quartiere schliessen sich zu Eigenverbrauchs-Gemeinschaften zusammen; vernetzte Dörfer und Städte versorgen sich weitgehend selber. Intelligente Netze, lokale Speicher und Wasserkraft als Reserve machen’s möglich.

Die Energieversorgung in der Schweiz ist im Jahr 2035 stark dezentral strukturiert. In der Local World produziert jeder Hausbesitzer selbst Energie und speichert beispielsweise den Sonnenstrom vom Hausdach im Elektroauto, in Batterien oder in Form von Gas und Wärme. Quartiere wachsen zu Eigenverbrauchs-Gemeinschaften zusammen – ganze Dörfer und Städte vernetzen sich. Zudem setzt sich die Konvergenz von Strom-, Gas- und Fernwärmenetzen (Netzkonvergenz) durch. Sie ermöglicht, überschüssige Energie zu speichern und bei Bedarf wieder zu beziehen – gerade nachts oder im Winter. Die Schweiz versorgt sich wo möglich selbst mit einheimischen Ressourcen.

 

 

 
 

  
 

Smart World

    Merkmale:
  • ICT-DURCHDRINGUNG:  Sämtliche Lebensbereiche von ICT durchdrungen
  • INNOVATION:  Technologischer Fortschritt macht erneuerbare Energien und Speicher wirtschaftlich
  • WIRTSCHAFTLICHKEIT: Energieproduktion, wo sie am effektivsten ist
  • FLEXIBILITÄT: ICT ermöglicht flexible, dezentrale Versorgung und Verbrauchssteuerung
  • VERNETZUNG: Schweiz bleibt mit Europa stark vernetzt und erhebt Abgaben auf CO2

 

Der technologische Fortschritt macht erneuerbare Energien, Speicher und intelligente Netze wirtschaftlich nutzbar. Deshalb findet die Energieproduktion europaweit dort statt, wo sie am effektivsten ist. Die Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) hat im Jahr 2035 alle Lebensbereiche erfasst und ermöglicht eine äusserst flexible, dezentrale Energieversorgung.

Selbst in Alltagsgegenständen wie beispielsweise Stühlen steckt im Jahr 2035 Intelligenz. In der Smart World hat die digitale Vernetzung alle Lebensbereiche vollständig durchdrungen: Gebäude, den Verkehr, die Industrie – natürlich auch die Energie. Viele neue Apps und Tools sind intelligente Assistenten, die das Leben von der Arbeit über das Wohnen bis zur Freizeit enorm erleichtern. Das gefällt den Menschen, und sie setzen freiwillig auf digitale, vernetzte Lösungen – weil sie hilfreich und einfach clever sind.

 

 

 
 
 

 
 

VSE Trend 2035

Orientierungshilfe:
Die Energiewirtschaft bricht auf in eine ungewisse Zukunft. Welche rechtlichen Rahmenbedingungen sind sinnvoll? Welche Investitionen lohnen sich, welche nicht? Das Nachdenken über die Zukunft ist für Energieunternehmen, politische Akteure und Verbraucher gleichermassen wichtig. Der VSE schafft mit den vorliegenden Energiewelten und dem «VSE Trend 2035» eine Orientierungshilfe, welche jährlich überprüft wird.

 

 

Merkmale:

Die vier Energiewelten beschreiben aus heutiger Sicht extreme, aber denkbare Energiewelten. Welche der vier Sichtweisen im Jahr 2035 in der Schweiz die Oberhand gewinnt, wissen wir nicht. Ist es eine bestimmte? Oder eine Kombination aus allen vieren? Der VSE geht von letzterem aus. Diese Energiewelt nennen wir «VSE Trend 2035». Das sind ihre Eckpunkte:

  • Mix Energieproduktion ist ein Mix aus zentral und dezentral, wobei Wasserkraft dominiert
  • Gas Netzkonvergenz steigt und Gas gewinnt an Bedeutung
  • Substitution Erhöhte Stromnachfrage infolge der Substitution fossiler durch elektrische Anwendungen
  • Speicher Dezentrale Speicher nehmen zu aufgrund höherer Eigenversorgung
  • Europa Importabhängigkeit für Strom und Gas bleibt weiterhin hoch
  • ICT Bedeutung von ICT nimmt auch in der Energie zu