«Wenn ich morgens früh genug dran bin, ziehe ich als Erstes meine Laufschuhe an und jogge auf den Gurten. Überblick ist das A und O in meinem Beruf – und die schöne Aussicht vom Berner Hausberg lässt mich meine Gedanken bündeln.
In der Bundesstadt verbringe ich den grössten Teil meiner Arbeitszeit. Dabei plane ich zwischen dem Bahnhof Bern und dem VSE-Büro in der Aarbergergasse immer genügend Zeit ein. Denn die Wahrscheinlichkeit, einem Bundeshaus-Insider über den Weg zu laufen und mit ihm ein paar Worte zu wechseln, ist gross. Das Klischee des Lobbyisten: eine graue Eminenz, die überall gleichzeitig ist und hinter verschlossenen Türen raffinierte Machenschaften pflegt. Mit der trockenen Realität hat das nur wenig zu tun. Dass ich Interessen vertrete, ist kein Geheimnis. Dabei ist es zentral, die Parlamentarierinnen und Parlamentarier stets seriös und transparent ins Bild zu setzen. Sie werden ja ständig von allen Seiten mit Informationen versorgt – wie sollen sie sich sonst auch eine fundierte Meinung bilden? Ich verstehe Lobbying als wichtigen Teil des demokratischen Prozesses.
Beim ersten Kaffee überfliege ich die NZZ und Le Temps und finalisiere dann zusammen mit meiner Stellvertreterin Cornelia Abouri eine VSE-Empfehlung zu Handen der Parlamentsmitglieder. Mit unseren Empfehlungen stellen wir sicher, dass die Branchenpositionen adressatengerecht aufbereitet werden und rechtzeitig vor der Beschlussfassung zur Verfügung stehen. Der vorgängige Meinungsbildungsprozess innerhalb des Verbands, mit den Kommissionen und dem Vorstand, ist sehr aufwändig – aber entscheidend. Bei aller Heterogenität soll sich die Branche als Ganzes vertreten fühlen. Nicht immer einfach. Die Empfehlungen des VSE gehen stets auch an meine Branchenkollegen. Dabei hoffen wir auf einen multiplizierenden Effekt – denn die Vögel zwitschern unsere Anliegen ja nicht von den Dächern.