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Stromversorgung als Wirtschafts- und Standortfaktor

Die Stromversorgung ist ein bedeutender Teil der nationalen wie auch der internationalen Energieversorgung von Wirtschaft und Gesellschaft. Die Schweizer Stromwirtschaft weist rund 22’000 Vollzeitstellen auf und erwirtschaftet über 8 Mrd. Franken. Dies entspricht einem Anteil am BIP von etwa 1,5 %. Durch das Beziehen von Vorleistungen generiert die Strombranche zusätzlich Wertschöpfung und Beschäftigung in anderen Wirtschaftszweigen. Insgesamt schafft sie in der Schweiz direkt oder indirekt eine Wertschöpfung von rund 18 Mrd. Franken und eine Beschäftigung von rund 75’000 Vollzeitstellen. Die Stromwirtschaft ist zudem durch ihren Beitrag an eine zuverlässige und kostengünstige Stromversorgung für Volkswirtschaft und Gesellschaft von wesentlich grösserer Bedeutung, als dies eine rein volkswirtschaftliche Betrachtung suggeriert. Diese Bedeutung wird auch künftig bestehen bleiben, da die wesentlichen Bestimmungsfaktoren auch für die zukünftige Entwicklung der Stromnachfrage einerseits in der Entwicklung des BIP sowie des Pro-Kopf-Einkommens und andererseits in der technologischen Entwicklung liegen. Die kurzfristige Preiselastizität der Stromnachfrage ist sehr gering, während sie über längere Zeiträume bereits etwas höher ist. Langfristig können daher Reaktionen im Verbrauchsverhalten der Kunden auf geänderte Strompreise sowie auf die vom Stimmvolk im Frühjahr 2017 verabschiedete Energiestrategie 2050 erwartet werden.

Strompreisbildung

Der Strompreis bildet sich auf dem freien Markt in Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage. Dabei spielt die allgemeine Konjunktur eine Rolle, aber auch das Wetter, die Preise von Primärenergien, Grenzkapazitäten sowie die Einspeisung von Wind- oder Photovoltaik-Strom und vieles mehr. An der Strombörse ergibt sich der Preis aus den Grenzkosten des letzten zur Deckung der Nachfrage noch einzusetzenden Kraftwerks. Da die Schweiz im Vergleich zum eigenen Verbrauch relativ viel elektrische Energie importiert und exportiert, spielen für die Grosshandelspreise auch die Preise in den umliegenden Nachbarländern eine wesentliche Rolle. Für die Endkundenpreise sind der Wechselkurs CHF/€ sowie Zuschläge für das Mengenund Ausgleichsenergierisiko, für die Benutzung des Netzes, für Systemdienstleistungen, Konzession an die Gemeinde und die Förderung erneuerbarer Energien ebenfalls zu berücksichtigen.

Nachfrageflexibilisierung: Steuerung des Stromverbrauchs

Nachfrageflexibilisierung umfasst Aktivitäten der Endverbraucher und der Energieversorger, um die Nachfragelast ausgeglichener zu verteilen und Lastspitzen zu glätten oder um die Lastkurve beispielsweise an jene der stochastischen Energieerzeugung anzugleichen. Denn der Ausbau von Photovoltaik und Windkraft stellt die Schweizer Stromversorgung vor neue Herausforderungen – die Stromproduktion wird vermehrt vom Wetter abhängen. Mit der sogenannten Nachfrageflexibilisierung ist es möglich, die Schwankungen zwischen Angebot und Nachfrage ein Stück weit zu steuern. Dies kann einerseits über tarifliche Anreize beim Konsumenten, anderseits über steuerungstechnische Methoden geschehen.

Energiesparen durch Verhaltensänderung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um Energie zu sparen. Am einfachsten und bequemsten ist dies mit technischer Energieeffizienz zu realisieren, wobei die bestehende, ineffiziente technische Einrichtung durch eine energieeffizientere ersetzt wird. Das bedingt meistens eine Investition. Schwieriger wird die Erzielung der freiwilligen Energieeinsparung durch die Änderung des Verhaltens. Dies ist sicherlich die nachhaltigste Lösung, aber auch die anspruchsvollste.

Elektromobilität

Die Elektromobilität erlebt seit einigen Jahren einen Aufschwung. Gründe hierfür sind die angestrebte Reduktion der CO2-Emissionen und technologische Fortschritte, insbesondere bei den Batterien. Auch in der Schweiz bietet die Elektromobilität der Strombranche Chancen für neue Geschäftsmodelle und gleichzeitig Herausforderungen – vor allem in den Bereichen Verteilnetz und Ladeinfrastruktur. Verschiedene Projekte und Aktivitäten rund um die Elektromobilität sind in der Schweiz bereits im Gang. Allerdings fehlt heute eine entsprechende Strategie auf politischer Ebene. Der vermehrte Einsatz von Elektrofahrzeugen wird den Stromverbrauch zwar erhöhen. Die Zunahme wird jedoch auf absehbare Zeit gering sein. Wegen der hohen Energieeffizienz von Elektroantrieben sinkt der Gesamtenergieverbrauch der Schweiz, wenn Elektrofahrzeuge konventionelle Benzin- und Dieselautos ersetzen. Da die Elektrofahrzeuge zum grössten Teil zu den abendlichen Spitzenlaststunden aufgeladen werden, müssen Verteilnetzbetreiber allenfalls Lösungen zur Flexibilisierung der Nachfrage einsetzen.

Effizienzsteigerung – Potenziale

Die stetige Verbesserung der Energieeffizienz ist ein bedeutender Einflussfaktor auf die Energie- und Stromnachfrage. In der Vergangenheit haben die nachfragesteigernden Faktoren wie Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum allerdings überwogen. Manche Energieeffizienzsteigerung kann durch Substitution fossiler Energieträger auch zu Strom-Mehranwendung führen. Energie- und Stromeffizienzpotenziale sind sektor- und anwendungsspezifisch unterschiedlich hoch und unterschiedlich schnell erschliessbar, denn das Ausschöpfen der bestehenden Effizienzpotenziale wird durch verschiedene Hemmnisse behindert. Dazu gehören unter anderem regulatorisch verordnet tiefe Energiepreise, mangelndes Wissen über vorhandene Möglichkeiten oder fehlendes Kapital für notwendige Investitionen. Diese Hemmnisse gilt es, zukünftig zu reduzieren. Für Elektrizitätsversorgungsunternehmen bietet der Bereich Energieeffizienz Möglichkeiten, um das Geschäftsfeld zu erweitern.

Elektrischer Blackout

Unter Blackout versteht man einen grossräumigen Stromausfall, von dem eine sehr grosse Zahl von Menschen betroffen ist. Auch wenn sich ein solcher Vorfall in der Schweiz noch nie ereignet hat, stellt er doch ein Risiko dar, das die Bundesbehörden und die Energiebranche nicht unterschätzen dürfen. Tatsächlich müssen die zu ergreifenden Massnahmen im Vorfeld geplant werden, da die direkten und indirekten Folgen teils dramatisch ausfallen können.

Einflussfaktoren auf die Stromnachfrage

Das vorliegende Dokument untersucht die Faktoren, welche die Entwicklung der Stromnachfrage beeinflussen. Anhand entsprechender Zahlen der Vergangenheit lässt sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen Bevölkerungs- beziehungsweise Wirtschaftswachstum und Stromnachfrage nachweisen. Ferner führt eine höhere Gesamtenergieeffizienz zu einem grösseren Anteil des Stroms an der Gesamtenergie und damit zu höherem Stromverbrauch (Effekt der Substitution). Das Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum sowie die Entwicklung der Stromnachfrage hängen zusammen. Wird ein wirtschaftliches Wachstum angenommen, ist auch mit einem Wachstum der Stromnachfrage zu rechnen. Dieses kann nur mit einschneidenden Massnahmen auf gesetzlicher Ebene gedämpft werden.