Die Energiestrategie 2050 kommt nicht zum Fliegen. Der Markt bringt keine langfristigen Preissignale und Anreize für die notwendigen Investitionen in Produktions- und Netzanlagen. Zudem verhindern regulatorische Hindernisse, namentlich im Raumplanungsgesetz, der Landschaftsschutz und ökologische Auflagen den Ausbau der erneuerbaren Energieinfrastruktur, der zwingend ist, möchte die Schweiz in Zukunft ihren Strombedarf decken und Klimaneutralität erreichen. Das Dringliche – nämlich der Ausstieg aus den fossilen Energien und die Beschleunigung der Elektrifizierung für das Klima – wird mit dem Krieg in der Ukraine nur noch dringlicher.
Stromversorgungssicherheit ist zu einem Schlüsselthema avanciert. Um für die zentralen Weichenstellungen in der Energie- und Klimapolitik einen klaren Kompass zu haben, hat der VSE das Meinungsforschungsinstitut gfs.bern beauftragt, im Rahmen einer repräsentativen Umfrage den Puls an der Basis zu fühlen und dabei insbesondere die Zielkonflikte zwischen Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz auszuleuchten.
Im Zweifel klare Priorisierung der Stromversorgungssicherheit
Die Schweizerinnen und Schweizer sind mehrheitlich (56%) mit der Stossrichtung der Energiepolitik einverstanden. Sie ordnen der Stromproduktion drei zentrale Aufgaben zu und haben dabei eine klare Prioritätenordnung: 53% der Befragten geben die Versorgungssicherheit als erste Priorität an – vor einer klimaneutralen Energieproduktion (25%) und einem bezahlbaren Strompreis (21%). Für die Steigerung der inländischen Produktion aus erneuerbaren Energien für die Versorgungssicherheit sind 67% auch bereit, deutliche Abstriche beim Umweltschutz zu akzeptieren, wenngleich ein haushälterischer Umgang mit unverbauten Flächen erwartet wird (59%).
Alles geben für einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien im Inland
Versorgungssicherheit soll über die Förderung der erneuerbaren Energien erreicht werden. Eine überwältigende Mehrheit (97%) erachtet die Förderung von erneuerbaren Energien im Inland für eher bzw. sehr sinnvoll. Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird zudem als gelebter Umweltschutz betrachtet (85%). 70% befürworten sogar eine Einschränkung von Beschwerderechten, damit der Ausbau schneller vorwärts geht. Eine ebenso grosse Zahl der Befragten gibt indes auch an, skeptisch zu sein, dass der Strombedarf allein mit erneuerbaren Energien gedeckt werden kann. Darüber hinaus kann mit der Förderung von erneuerbaren Energien die Energieabhängigkeit vom Ausland bekämpft werden, was klar einem Bedürfnis entspricht (über 80% Einverständnis). 75% der Befragten sprechen sich generell gegen mehr Stromimporte aus. Sieben von zehn Umfrageteilnehmenden sind mit der Aussage einverstanden, dass die Abhängigkeit von fossilen Energien aus nicht-demokratischen Ländern gestoppt werden müsse.