«Der Energieerhaltungssatz muss jederzeit gewährleistet sein.» Mit der physikalischen Dimension der Versorgungssicherheit begrüsste Verbandspräsident Michael Wider die Teilnehmenden des VSE Top-Themen-Anlasses am 24. Oktober 2022 in Zürich. Die Gleichung sei einfach: Produktion - Verbrauch + Import - Export = 0. Die Variablen der Gleichung würden sich bis 2050 stark verändern, etwa durch den Wegfall der Kernenergie auf der Produktionsseite und den steigenden Stromverbrauch durch die Dekarbonisierung. «Die Herausforderungen sind enorm, denn die physikalische Gleichung muss immer Null ergeben», bedachte Wider.
Die Herausforderungen seien vor allem auch im Hinblick auf diesen Winter gross, führte Pascal Previdoli, stellvertretender Direktor des Bundesamts für Energie, aus und zählte die zahlreichen Massnahmen im Strom- und Gasbereich auf, die der Bund ergriffen hatte. Trotz dieser Massnahmen vermochte Previdoli keine Entwarnung zu geben. Die Signale seien positiv, es bestünde aber weiterhin grosse Unsicherheit. Zu den Massnahmen für die mittel- und langfristige Versorgungssicherheit erwähnte Previdoli unter anderen den Mantelerlass, die Beschleunigungsvorlage oder der Abschluss eines Stromabkommens. Wegen der Energiekrise gebe es zudem Diskussionen über die Errichtung von Gasspeichern, Anpassungen des Merit-Order-Systems und die Rückkehr in die Grundversorgung.
Mit der VSE Roadmap zur Versorgungssicherheit aus dem «Schlamassel»
Die Energiekrise dürfte auch das dominierende Thema der eidgenössischen Parlamentswahlen 2023 sein und deren Ausgang bestimmen, wie die Ausführungen von Urs Bieri deutlich machten. Er ist Co-Leiter des Politikforschungsinstituts gfs.bern. Aktuell gehöre neben der Klimakrise neu auch das Sicherheitsthema zu den Top-Sorgen der Schweizer Bevölkerung, allen voran die sichere Versorgung mit Energie. Jene Parteien, denen zugetraut werde, die Energie- und Klimakrise zu lösen, könnten als Gewinnerinnen aus den Wahlen hervorgehen, so Bieri.