«Die Natur ist aber trotzdem da, und sie ist wertvoll. Deshalb haben wir zusammen mit den ersten Projektstudien im Jahr 2010 Umweltplaner beauftragt, um das Areal zu kartieren und zu ermitteln, was es beherbergt.» Ziel dieser Erhebung war, herauszufinden, in welcher Form und vor allem an welchem Ort adäquate Ausgleichsmassnahmen ergriffen werden müssen. Dabei wird jeder Quadratmeter nach einem Punktesystem bewertet. Dieser Ausgleich muss so nah wie möglich erfolgen, «aber im Kanton Basel-Stadt und in der Agglomeration ist es schwierig, so grosse freie Flächen zu finden», erklärt Florian Röthlingshöfer. Ausserdem gebe es kaum noch Flächen mit einem Wert Null. In Frage kommende Acker- oder Bahnflächen haben aber alle bereits einen gewissen Punktewert, was bedeutet, dass die Ausgleichsfläche grösser sein muss als das Areal im ehemaligen Rangierbahnhof. In vorliegenden Fall kommt man auf den Faktor 4 bei der Flächengrösse.
Ausgleichsflächen im Kanton Basel-Landschaft
Fündig wurden die Projektanten schliesslich in den Gebieten Spittelmatt (Gemeinde Riehen BS) sowie im Birsfelder Hafen, im Auhafen und beim Rangierbahnhof Muttenz, also bereits auf Gebieten des Kantons Basel-Landschaft. Einfach haben sie es sich dabei nicht gemacht: Der Aufwand, der für die Ersatzflächen betrieben wurde, war deutlich höher als für die eigentliche technische Planung des Projekts. «Aber das war wichtig und richtig», ergänzt Simon Oberbeck, verantwortlich für Kommunikation bei den Schweizerischen Rheinhäfen. «Beim Thema Ersatzflächen sind wir in eine Tiefe gegangen, die wohl ihresgleichen sucht. Aber nur so konnten wir bei der Abstimmung hinstehen und zeigen, dass wir uns ernsthaft mit einem adäquaten Ersatz auseinandergesetzt haben.»
Der Bevölkerung ein derart komplexes Projekt zu vermitteln, bleibt aber eine hohe Kunst. Zwar wüssten die Basler, dass es einen Hafen mit einer gewissen Relevanz gebe. Aber darüber hinaus fehle meist das Wissen, wie ein Hafen funktioniere, welche Bedürfnisse seine Nutzer hätten und welche Anforderungen erfüllt werden müssten, erklärt Simon Oberbeck. «Wir mussten sehr viele Stakeholder ins Boot holen und noch viel mehr Partikularinteressen berücksichtigen: diverse Naturschutzorganisationen mit verschiedenen Ansprüchen, die Wirtschaft, die Hafenstadt-Entwicklung, und, und, und.» Eine wirklich komplexe Gemengelage und eine denkbar schwierige Ausgangslage, um den Baslerinnen und Baslern das Projekt näher zu bringen. «Wir haben darauf vertraut, dass der Hafen als Infrastruktur bei der Bevölkerung positiv konnotiert ist und dass sie die ökologischen Vorteile der Verlagerung der Container von der Strasse auf die Schiene sowie die Stärkung des Standorts Basel anerkennt.»
Umweltorganisationen von Anfang an einbezogen
Im Bewusstsein um die heterogenen Ansprüche der diversen Umweltorganisationen (vom Natur- über den Landschaftsschutz zu Biodiversität und Klimafragen) hatten die Initianten diese von Anfang an in die Planung einbezogen. Auch wenn man dabei auf Fundamentalopposition gestossen sei, wollte man den Gesprächsfaden nie abreissen lassen: «Es ist normal, dass alle Parteien mit ihrem Fokus in diese Diskussionen gehen.» Aber es lohne sich, die Projekte aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten: national, kantonal, regional. Es könne sich also durchaus lohnen, das Gespräch auf verschiedenen Organisationsebenen zu suchen, um Lösungsansätze zu finden. «Es verlangt von allen Parteien einen langen Atem und Gesprächsbereitschaft.»