Die Veränderungen des Klimas spielten ebenfalls eine Rolle, seien aber ein langfristiges Problem. «Muss eventuell die Energiestrategie angepasst werden, oder braucht es sogar einen Paradigmenwechsel?», fragte Michael Frank mit Blick auf mögliche Vereinfachungen bei der Umsetzung grosser Infrastrukturprojekte. Seine Einleitung schloss der VSE-Direktor schliesslich mit einem Appell: «Nehmen Sie Einfluss auf Grosskunden, die beabsichtigen, eine allfällige Kontingentierung zu missachten und lieber eine Busse zu bezahlen. Ein solches Verhalten ist unsolidarisch, und wenn es alle tun, fahren wir das System todsicher an die Wand.»
Einmal frei, immer frei
Jürg Rauchenstein, Kommissionsmitglied der ElCom, äusserte sich hernach nicht weniger klar zu diversen Themen, wovon die Frage nach einer Rückkehr von Marktteilnehmern in die Grundversorgung sicher am meisten interessierte. «Aufgrund der steigenden Strompreise kam bei nicht wenigen Grossverbrauchern die Idee oder sogar der Wunsch nach einer Rückkehr in die Grundversorgung auf. Die Stromverordnung sagt aber grundsätzlich: ‹Einmal frei, immer frei›.»
«Ein ehrlicher Markt»
Romina Schürch, Expertin Energie beim VSE, und Josef Keller von der Ompex AG zeigten in ihren Referaten auf, wie und warum sich die Preise in die aktuellen schwindelerregenden Höhen entwickelt haben. Josef Keller verdeutlichte, dass die Preis-Rallye nicht erst mit Russlands Einmarsch in der Ukraine, sondern schon vor einem Jahr begonnen hatte. «Die Preisexplosion ereignete sich nicht nur am Termin-, sondern auch am Spot-Markt. Und das ist ein sehr ehrlicher Markt, ohne Spekulation.» Händler müssten sich Gedanken machen, wie der Markt in Zukunft aussehen werde.
Matthias Gysler, Chefökonom beim BFE, brachte den Anwesenden anschliessend die Sicht des Bundesamtes auf die aktuellen Entwicklungen näher. Und Mischa Morgenbesser, Partner bei Badertscher Rechtsanwälte, erläuterte zwei für die Branche relevante Bundesgerichtsurteile.