Herr Lenzin, welche Rolle und welchen Stellenwert sieht die BKW für H2, in Bezug auf die ES2050 und das Netto-Null-Ziel?
René Lenzin: Wir gehen davon aus, dass grüner Wasserstoff zukünftig vor allem bei CO2-intensiven Industrien zum Einsatz kommen und in Europa eine wichtige Rolle auf dem Weg zu Null-Emissionen spielen wird. Dies gilt insbesondere in Industrien, in denen signifikante Effizienzmassnahmen oder eine direkte Elektrifizierung nicht möglich/sehr teuer sind. Wasserstoff ist ein Eckpfeiler des europäischen «Green Deals» und seine Einsatzmöglichkeiten sind äusserst vielseitig. In vielen EU-Ländern entstehen derzeit ambitionierte Strategien und Förderprogramme, um die Produktions- und Transportkapazitäten in den nächsten Jahren stark auszubauen. Es dürfte also langfristig ein grosser Wasserstoffmarkt entstehen. Für die Schweiz rechnen wir ebenfalls mit einer deutlichen Zunahme des Bedarfs an Wasserstoff, allerdings weniger ausgeprägt als in Ländern mit einem höheren Anteil an Hochtemperatur- und Schwerindustrie. In der Schweiz fokussiert sich der Markt für grünen Wasserstoff derzeit noch stark auf die Mobilität, bei der er aufgrund des vergleichsweise ineffizienten Herstellungsprozesses jedoch in sehr starker Konkurrenz zur direkten Elektrifizierung (Batterie-Mobilität) steht. In Zukunft wird der Einsatz von Wasserstoff in der Industrie aber auch hierzulande an Bedeutung gewinnen, sofern an den ambitionierten Klimazielen festgehalten wird. Wasserstoff dürfte somit in der Energiestrategie der Schweiz so oder so eine wichtige Rolle spielen.