Die grossen Investitionen in Produktionsanlagen und Netzinfrastrukturen liegen Dekaden zurück, die Zusammenarbeit mit der EU ist seit Jahren blockiert, beim Ausbau der Erneuerbaren tritt die Schweiz an Ort und Stelle. Diese Versäumnisse der Vergangenheit würden sich jetzt in der Energiekrise rächen, konstatierte Michael Wider am Mittwoch vor vollen Rängen im Berner Kursaal. «Die Zeit rennt uns davon: Gelingt es uns nicht jetzt, die richtigen Prioritäten zu setzen und ins Tun zu kommen, schaffen wir nicht nur keine Dekarbonisierung, sondern gefährden die Versorgungssicherheit der Schweiz», mahnte der VSE Präsident.
Wie er die Prioritäten setzen möchte, führte Neo-Energieminister Albert Rösti in seiner mit Spannung erwarteten Grussbotschaft an die Branche aus: weniger Abhängigkeit von Stromimporten; mehr einheimische erneuerbare Produktion insbesondere aus Wasser- und Solarkraft; weniger Hindernisse bei deren Ausbau, dafür schnellere Verfahren; verstärkte Stromnetze und Zugang zu den europäischen Netzplattformen, damit die Netzstabilität gewahrt werden kann. Bundesrat Rösti signalisierte deutlich, den Ausbau der erneuerbaren Energien deblockieren zu wollen: Erneuerbare Energieprojekte, die wesentlich zur Versorgungssicherheit beitragen, sollen künftig Vorrang vor anderen Interessen haben. Rösti bedankte sich bei der Branche, die ihm am Herzen liege, für den Einsatz, die sie für die Versorgungssicherheit leistet.
Diese könne nur gemeinsam gesichert werden, waren sich Johannes Teyssen (Alpiq), Thomas Sieber (Axpo) und Roger Baillod (BKW) einig. Die Verwaltungsratspräsidenten der drei grössten Schweizer Stromproduzenten tauschten sich über die enormen Herausforderungen für die Branche aus, die die Energiekrise akzentuierte. Mehr Akzeptanz, Kompromissbereitschaft, Innovation, Tempo beim Ausbau erneuerbaren Produktionskapazitäten: Man müsse die Herkulesaufgabe nun mutig angehen.