Als sich Barbara Brun in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre für eine Ausbildung zu entscheiden hatte, war der Weg der Bernerin eigentlich vorgespurt: Ihre Eltern führten ein Elektroinstallationsgeschäft mit integriertem Verkaufsladen in Spiez, ihr Vater war Elektroinstallations-Meister und auch Barbara Bruns Bruder hatte Elektroinstallateur EFZ gelernt. So entschied sie sich für eine dreijährige Lehre als Kauffrau im elterlichen Betrieb. Nach dem Abschluss arbeitete sie dann während eines Jahres auf dem erlernten Beruf, bevor sich bei ihr eine gewisse «Langeweile» einschlich.
Und so tauchte Barbara Brun schliesslich doch noch tiefer in die Energiebranche ein und nahm eine zweite Lehre bei der BKW als Elektrozeichnerin EFZ mit Schwerpunkt «Hausinstallation» in Angriff. Der Umweg über die KV-Ausbildung sollte ihr insofern zugutekommen, als sie die eigentlich vierjährige Ausbildung in drei Jahren durchlaufen konnte. Dies, weil sie Allgemeinbildung, Branchenkunde sowie Themen zur Beleuchtung schon im Rahmen ihrer ersten Lehre behandelt hatte. «Mein damaliger ‹Oberstift› war im Gegensatz zu mir im Bereich ‹Energie› tätig, und so bekam ich viel aus diesem Gebiet mit.» Diese erste Begegnung mit dem Berufsbild der Netzelektrikerin hatte für die junge Lernende den Vorteil, dass sie bei ihrer Lehrabschlussprüfung das geforderte «einfache Hochspannungsprojekt» ohne grössere Anstrengung zeichnen konnte.
Neugierde, wie die Welt funktioniert, als Antrieb
Doch woher rührt das grosse Interesse am Strom? Auch wenn Barbara Brun von Anfang an mit dem Thema Strom in Kontakt war, muss das ja nicht zwangsläufig dazu führen, dass sie sich auch beruflich mit dieser Materie auseinandersetzen will. «Ich habe eine Antriebsfeder: Neugierde. Ich will wissen, wie etwas funktioniert. Wenn mein Vater und mein Bruder beim Abendessen über ihre Arbeit sprachen, wollte ich verstehen, worüber die da reden. Erst wenn ich das Gefühl habe, es verstanden zu haben, rede ich auch gerne mit.» Und da Barbara Brun heute mehr als nur mitreden kann, ist davon auszugehen, dass im Hause Brun offenbar viel über Strom gesprochen wurde. Bleibt noch die Frage, was passiert wäre, hätte Vater Brun beispielsweise eine Metzgerei gehabt…
Nach ihrem zweiten Abschluss war die Spiezerin lange im neuen Beruf tätig und absolvierte später auch noch die höhere Berufsbildung Elektroplanerin mit eidgenössischem Fachausweis, welche sie als erste Frau in der Schweiz erfolgreich abschloss. Heute heisst die berufliche Grundbildung nicht mehr Elektrozeichnerin EFZ, sondern Elektroplanerin EFZ.
Nach dem Abschluss der Berufsprüfung arbeitete sie bei der Firma Regent als Beleuchtungsberaterin im Aussendienst. Dieses Thema hat es ihr auch heute noch immer angetan: «Wenn ich in einen Raum komme und ein spezielles Lichtkonzept erkenne, bin ich fasziniert. Es ist erstaunlich, was mit Licht alles möglich ist, wie man etwas hervorheben oder buchstäblich in den Schatten stellen kann.»