Dies umso mehr, weil immer mehr Produzenten und Verbraucher an dieses regionale Netz angeschlossen sind. Während früher, um im Bild zu bleiben, grosse Lastwagen über die Autobahn rollten und der Ortsverkehr relativ gemächlich und meist im Einbahnverkehr vonstattenging, werden heute Quartierstrassen vermehrt in beide Richtungen stark befahren.
Das hängt einerseits damit zusammen, dass die Stromproduktion nicht mehr nur «top-down» von zentralen, grossen Kraftwerken geschieht, sondern zunehmend «bottom-up» von Hausbesitzer:innen mit eigenen Photovoltaik-Anlagen. Andererseits nehmen auch die dezentralen Stromverbraucher zu, beispielsweise durch E-Autos, die zuhause geladen werden.
Netzausbau, Anreize und vorausschauende Planung
Es gibt also immer mehr Verkehr in den Quartier- und Ortsstrassen. Diesen Verkehr gilt es intelligent zu steuern. Das heisst beispielsweise, genügend Flexibilitäten in Form von Batterien, also genügend «Parkplätze» vorzuhalten. Es gilt aber auch, verlässliche Prognosen zu machen und entsprechende intelligente Anreize (Preissignale) zu setzen, damit der Verkehr die Strassen gar nicht erst überlastet.
Bei aller Intelligenz und Steuerung wird man nicht umhinkommen, gewisse Strassen zu verbreitern, um einen Rückstau – und damit negative Effekte auf das Gesamtsystem – zu vermeiden. Und auch grosse «Parkplätze» (also Batterien oder andere Speicher) ausserhalb der dicht besiedelten Gebiete müssen ermöglicht werden, ebenso wie entsprechende «Autobahnanschlüsse» und «Verkehrsknotenpunkte» (in Form von Trafo-Stationen).
Denn die beste erneuerbare Stromproduktion nützt nichts, wenn der Strom nicht von der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach oder vom Wasserkraftwerk in den Bergen zu den Konsument:innen transportiert werden kann.
Lösungen für dicht besiedelte Quartiere
Die zuständige Kommission des Nationalrats hat dies erkannt und den «Netzexpress» bereits entscheidend ergänzt. So soll es beispielweise möglich sein, Batterien oder Trafo-Stationen in klar definierten Fällen auch ausserhalb der Bauzone zu errichten. Dies, damit der produzierte Strom einer Anlage ausserhalb der Bauzone auch abgeleitet (oder gespeichert) werden kann.
Das sind erste wichtige Schritte in die richtige Richtung. Es gibt aber noch Verbesserungspotenzial: So wird es auch in dicht besiedelten Wohnquartieren zunehmend schwierig, Standorte für Trafo-Stationen zu finden. Es braucht deshalb auch dort mehr Flexibilität auf der Suche nach passenden Standorten. Der VSE setzt sich dafür ein, dass die Vorlage weiter optimiert wird, damit es auch künftig zu keinen Staus im Stromnetz kommt und eine sichere, bezahlbare und klimaneutrale Stromversorgung gewährleistet wird.