Nadine Brauchli, wie sieht die Situation der Photovoltaik in der Schweiz aus?
Schon jetzt ist klar, dass die Schweiz 2020 einen neuen Rekordzubau bei der Photovoltaik verzeichnen kann. Die Photovoltaik verfügt in der Schweiz unter den erneuerbaren Energien über das weitaus grösste noch unerschlossene Potenzial. Die Energieperspektiven 2050+ des Bundes veranschlagen für 2050 eine Photovoltaikproduktion von 34 TWh. Zum Vergleich: Der Stromendverbrauch der ganzen Schweiz liegt aktuell bei rund 55 TWh. Davon deckt Photovoltaik aber erst etwa 4 Prozent. Wir brauchen also viel mehr bis 2050.
Der Bundesrat will diesen massiven Zubau nun mit dem «Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien» auslösen. Die Botschaft dazu steht vor der Tür. Wie soll das gehen?
Der Bund zahlt Investitionsbeiträge an Unternehmen und Private, welche eine Solaranlage neu installieren oder erweitern. Der Förderbetrag variiert je nach Leistungsfähigkeit (kWp) und Grösse der Photovoltaikanlage und soll einen attraktiven Investitionsanreiz liefern. Es darf davon ausgegangen werden, dass so vor allem bei den Kleinanlagen ein starker Zubau stattfinden wird. Die Einspeisung und Vergütung dieser Produktion ins Netz wird gesetzlich garantiert. Zudem ist die Möglichkeit zum Eigenverbrauch und zur Bildung einer Eigenverbrauchsgemeinschaft über die eigenen Grundstücksgrenzen hinweg eine interessante Option, die bei einer vollständigen Strommarktöffnung weiter an Attraktivität gewinnen dürfte. Für grosse Photovoltaik-Anlagen will die Schweiz den Wettbewerb verstärken, indem die Einmalvergütung durch Ausschreibungen festgelegt werden. So werden jene Produzenten den Zuschlag erhalten, die eine bestimmte Menge Solarenergie am günstigsten anbieten.