An der Münchner Sicherheitskonferenz vom 14.-16. Februar 2025 präsentierte Eurelectric, der Dachverband der europäischen Elektrizitätswirtschaft die Studie «Redifining Security of Supply – in the age of electricity». Diese Studie befasst sich mit den bisherigen und neuen Anforderungen der Versorgungssicherheit im künftigen europäischen Energiesystem («Versorgungssicherheit 2.0»).
Die Studie legt den Fokus vor allem auf den zu erweiternden Regulierungs- und Marktrahmen. Auch berücksichtigt sie exogene Risiken wie die Auswirkungen des Klimawandels auf die Stromnachfrage, die Stromversorgung und die Infrastruktur. Geopolitische Spannungen sowie physische und virtuelle Bedrohungen (z.B. Cyberkriminalität), der globale Energiehandel sowie der Zugang zu Rohstoffen und die Kontrolle über wichtige Lieferketten sind ebenfalls Bestandteil dieser gesamtheitlichen Betrachtung der Versorgungssicherheit.
Die Schweiz als Alpenland mitten in Europa wurde in dieser europaweiten Energiestudie mitberücksichtigt. Der VSE, Mitglied bei Eurelectric, wirkte aktiv an der Studie mit und brachte die Schweizer Perspektive ein.
Wichtigste Erkenntnisse und Empfehlungen der Studie
- Europa braucht eine koordinierte und umfassende Energiesicherheitsstrategie. Für mehr Effizienz, Sicherheit und Resilienz des Elektrizitätssystems ist eine Gesamtsystembetrachtung unerlässlich, die die gesamte Wertschöpfungskette, alle Energiesektoren und Endverbraucher einbezieht. Damit kann der konkrete Bedarf und alle Optionen für das Energiesystem ermittelt werden.
- Mit dem Ausbau der wetterabhängigen erneuerbaren Stromproduktion, hauptsächlich aus Wind- und Solarenergie, steigen die Anforderungen, Angebot und Nachfrage zu jeder Zeit auszugleichen. Der Bedarf an Flexibilität im Energiesystem sowie einem strategisch durchdachten Ausbau der Stromnetze und deren Digitalisierung gewinnen dadurch zunehmend an Bedeutung. Daher wird empfohlen, die Definition des Flexibilitätsbedarfs zu vereinheitlichen, um eine einheitliche Sichtweise in ganz Europa zu gewährleisten. Zudem soll ebenfalls das Flexibilitätspotenzials der Verbraucher durch nachfrageseitige Massnahmen erschlossen werden.
- Es braucht einen konsistenteren und markgerechteren Investitionsrahmen. Dazu gehören Förderinstrumente und -mechanismen, um die notwendigen Investitionen in steuerbare und flexible Technologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette (Erzeugung, Verteilung, Verbrauch, usw.) zu sichern und zu koordinieren. Es wird empfohlen, Förderinstrumente und -mechanismen so zu gestalten, dass die wichtigsten Grundsätze – marktorientierte, marktweite, nicht wettbewerbsverzerrende Mechanismen, die ein langfristiges Contracting unterstützen und für alle Technologien offen sind – eingehalten werden. Zudem muss eine Harmonisierung sowie die grenzüberschreitende Integration auf europäischer Ebene dieser Instrumente stattfinden. Kurzfristige Markteingriffe sollen vermieden werden. Stärkere Marktsignale können dazu beitragen, den tatsächlichen Systembedarf widerzuspiegeln und steuerbare und flexible Anlagen abzusichern.
- Die Zusammenarbeit innerhalb der EU und mit Drittstaaten wie der Schweiz ist entscheidend für die Gewährleistung der europäischen Versorgungssicherheit. Dabei wird auch empfohlen, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Drittländern beim Investitionsrahmen in Betracht zu ziehen.