Herr Dustmann, Ihre Akkus mit 7 kWh Speicherkapazität sollen es Inhabern von PV-Anlagen erlauben, den eigenen Solarstrom auch nachts und bei schlechtem Wetter selber zu nutzen. Und die Basis für das Ganze soll Kochsalz sein?
Ja, natürlich nicht nur. Aber da muss ich etwas ausholen, weil das Bild von Batterien doch sehr von Technologien wie Bleibatterien oder Lithium-Ionen-Batterien und deren Aufbau geprägt sein dürfte. Tatsächlich ist eine Batterie ja sehr einfach aufgebaut. Alles was Sie brauchen, ist ein Plus- und ein Minuspol, ein Elektrolyt und ein Separator, der die zwei Pole voneinander trennt. In jeder Batterie findet eine reversible elektrochemische Reaktion statt, während der das System entladen – oder eben neu geladen – wird.
Und wie läuft das bei einer Salzbatterie ab, so ganz ohne Lithium oder brennbare organische Substanzen?
Unsere Batterie ist vom Typ her eine sogenannte Salzschmelzebatterie, auch ZEBRA-Batterie genannt. ZEBRA steht für «Zero Emission Battery Research Activities», in den 80er Jahren ein nationales Forschungsprojekt in Südafrika. Die Reaktanten sind mit einer flüssigen Lösung aus Salz (NaAlCl4) durchtränktes Granulat aus Natriumchlorid (Kochsalz) und Nickel als positive Elektrode, eine für Na-Ionen leitfähige Keramikwand als Separator – und im Außenbereich flüssiges Natrium als negative Elektrode. Für Chemieinteressierte: Die Gesamtreaktion bei der Ladung ist: Strom + 2 NaCl + Ni > NiCl2 + 2 Na. Aus Kochsalz und Nickel wird also Nickelchlorid und Natrium, bei der Entladung läuft die Reaktion genau umgekehrt ab .
Wenn man sich im Internet umschaut und an die eigenen elektronischen Geräte oder das Elektroauto denkt, scheint sich die Lithium-Technologie aber durchgesetzt zu haben...
Sie hat ihre Anfänge in einer kleinen Batterie, die Sony für ihre Walkmans entwickelt hatte. Wir erinnern uns: Das Musikding mit Kassette, als Joggen mit Lieblingsmusik noch keine Selbstverständlichkeit war. Danach haben wir einen «Market Pull» gesehen, die Nachfrage nach leistungsfähigen kleinen aufladbaren Batterien trieb die Technologie an, heute haben wir Lithium in Laptops, E-Bikes, Elektroautos, Kopfhörern und vielem mehr. Gerade auf die Frage: «Wie soll ich meinen Solarstrom speichern?», finden wir mit der Salzbatterie aber die viel bessere Antwort.