Seit fünf Jahren arbeitet der 52-Jährige beim kantonalen Energieversorger des Kantons Thurgau; zu Beginn als Teamleiter, seit letztem Jahr als «Vollzeit-Berufsbildner». Mit 28 absolvierte Roland Keller die Berufsprüfung und bildete sich anschliessend zum Berufsbildner weiter, unter anderem als einer der Teilnehmer des ersten Zertifikat-Lehrgangs zum Berufsbildner, welchen der VSE 2014 lancierte. Schon bei seinem vorherigen Arbeitgeber hatte sich Roland Keller der Lernenden angenommen. «Ursprünglich war ich als Praxisbildner mit den Lernenden unterwegs. Das fand ich spannend, und so bewegte ich mich immer stärker in die Richtung Berufsbildner.»
Vor fünf Jahren hat die EKT damit begonnen, Netzelektriker/innen selbst auszubilden. Dieser Schritt erfolgte einerseits als Reaktion auf den ausgetrockneten Fachkräftemarkt und die Schwierigkeiten, offene Stellen von Netzelektriker/innen zu besetzen. Andererseits aber auch aufgrund der Überzeugung, dass die EKT mitverantwortlich ist für gut ausgebildeten Berufsnachwuchs und sich deshalb hier verstärkt engagieren wollte. Roland Keller gab danach seine Rolle als Teamleiter auf und widmete sich fortan voll und ganz dem Bereich Ausbildung in der EKT – und der ersten Lernenden.
Ausbildung von Grund auf neu ausgerichtet
Während diese ihre Ausbildung, die sie mittlerweile abgeschlossen hat, nach dem damals bestehenden Bildungsplan absolvierte, dachte Roland Keller schon weiter. Im Hinblick auf die Ausbildungsreform 2023 baute er die Ausbildung in der EKT von Grund auf um. Dies beinhaltete auch die Koordination mit anderen Ausbildungsberufen in der EKT, wobei Verantwortlichkeiten geklärt und zum Teil neu organisiert werden mussten. Parallel dazu suchte die EKT Lernende und bot weiterhin Schnupperlehren an. Mit Erfolg: Im August 2023 haben gleich zwei Lernende – eine junge Frau und ein junger Mann – bei der EKT ihre Ausbildung als Netzelektriker/in in Angriff genommen. «Das ist quasi der Roll-out unserer neu aufgebauten Ausbildung gemäss Bildungsplan 23.»
Die Veränderungen gegenüber früher seien markant, sagt Roland Keller: «Die Ausbildung erfolgt nun auftragsbasiert und nicht mehr isoliert.» Diese Herangehensweise ermögliche den Lernenden, zu erkennen, dass auch Vor- und Nachbereitung dazugehörten. «So lernen sie ihre Arbeit, ihr Handwerk als Ganzes kennen.» Diese Veränderungen haben Auswirkungen: «Früher konnte man einen Lernenden bis zum Abschluss der Ausbildung quasi mitziehen, auch wenn die schulischen Leistungen nicht so besonders waren. Das geht heute nicht mehr. Da sind auch wir als Betrieb gefordert, und wir müssen von Anfang an aktiv sein.»
Kontakt mit Menschen und frische Luft
Er arbeite wahnsinnig gerne als Netzelektriker, sagt Roland Keller: «Die Vielseitigkeit dieses Berufs ist unschlagbar: Von Holz- und Metallbearbeitung über Kabelarbeiten bis hin zum Bau von Freileitungen ist einfach alles dabei.» Ausserdem schätze er es, sich draussen an der frischen Luft aufzuhalten. Darüber hinaus erlaube ihm dieser Beruf, mit vielen Menschen – Kunden, Anwohnern, Landwirten – in Kontakt zu kommen. «Man ist in der Region unterwegs. Es bleibt persönlich, und die Menschen hier kennen einen.»
Trotzdem hat sich Roland Keller dazu entschieden, die Umstrukturierung der Ausbildung der Netzelektriker/innen EFZ in der EKT zu übernehmen; eine Arbeit, die zu einem grossen Teil im Büro stattfindet. «Ich konnte bei der Trägerschaft in der Arbeitsgruppe ‹Betrieb› an der Reform der Netzelektriker/innen-Ausbildung mitarbeiten. Da spürte ich, dass das genau die Schiene ist, auf der ich künftig fahren will.» Ihm gefiel dabei vor allem, dass gemeinsam etwas erarbeitet, dass zusammen nach Lösungen gesucht wurde. «Ich konnte aktiv daran arbeiten, etwas in die richtige Richtung zu lenken.» Als in der EKT schliesslich die Neuausrichtung der Ausbildung anstand, habe er sich gemeldet – obwohl das bedeutete, dass er vorläufig nicht mehr draussen als Netzelektriker arbeiten konnte.