Michael Frank, was hat die Strommangellage in Texas verursacht?
Als das Thermometer im Zuge eines Wintersturms auf ungewöhnlich tiefe Temperaturen sank, drehten viele Texaner ihre oft von elektrischen Wärmepumpen angetriebenen Heizungen hoch. Gleichzeitig froren viele Windräder und Erdgasleitungen ein, was zu einem Einbruch der Stromproduktion führte. Angebot und Nachfrage gerieten in ein krasses Ungleichgewicht. Texas ist nicht an das amerikanische Übertragungsnetz angeschlossen; es betreibt ein eigenes und unabhängiges Netz. Diese «Strominsel» konnte also auf kein Verbundsystem zählen, das die Situation hätte stabilisieren können. Den Netzbetreibern blieb nichts anderes übrig, als in weiten Gegenden die Stromnetze abzuschalten, um einen Totalkollaps des texanischen Netzes zu verhindern – sogenannte rollierende Abschaltungen.
Hätte ein solches Ereignis verhindert werden können?
Bereits 2011 legte ein Wintereinbruch Teile des texanischen Stromnetzes lahm. Experten der Bundesregierung empfahlen dem Gliedstaat anschliessend, seine Produktionsanlagen winterfest zu machen: Pipelines sollten beheizt und zusätzliche Energiespeicher gebaut werden. Eine weitere Ursache für die Mangellage waren die fehlenden Investitionen in das texanische Stromnetz. Umgesetzt wurden die Empfehlungen nicht. Diese Stromausfälle wären problemlos zu vermeiden gewesen. Windräder können gegen Vereisung geschützt werden, was in nördlichen Hemisphären standardmässig getan wird. Ausfälle von Gaskraftwerken können reduziert werden, wenn diese vor extremer Kälte geschützt werden. Man wollte offenbar die notwendigen Kosten für diese Vorsorgemassnahmen vermeiden. Die Kosten der Ausfälle dürften in der Zwischenzeit ein Vielfaches des Betrages ausmachen, der hätte investiert werden sollen.