«Wetter sei Dank, sind wir diesen Winter an einer Strommangellage vorbeigeschrammt.» Michael Wider, der Präsident des VSE, brachte in seiner Rede auf den Punkt, was viele in diesem Frühling schon mehr als einmal gedacht haben dürften. Er hob ausserdem die konstruktive und ergiebige Zusammenarbeit rund um die Gefahr eine Strommangellage mit dem Bund hervor. «Diese Massnahmen und Vorbereitungen sind Vorleistungen für die Zukunft». Denn auch wenn eine Strommangellage vorerst ausgeblieben sei, weise die Schweiz ein strukturelles Winterstromproblem auf und könne die Versorgung in dieser Jahreszeit zu einem guten Teil nur dank Importen gewährleisten. «Importe, die in Zukunft – notabene ohne Stromabkommen – alles andere als sicher sind. Und der Strombedarf wird nicht weniger, im Gegenteil.»
Mehr Akzeptanz für mehr heimische Produktion aus Erneuerbaren
«Unsere Energie- und Klimaziele sind nicht verhandelbar», betonte Michael Wider weiter. Um diese zu erreichen, führe kein Weg an der Elektrifizierung vorbei. Gemäss der umfassenden Studie «Energiezukunft 2050», die der VSE im letzten Jahr in Zusammenarbeit mit der Empa erstellt hat, führt der Ausstieg aus fossilen Energien bis 2050 zu einem zusätzlichen Strommehrbedarf von 25 bis 40 Prozent gegenüber heute. Um diesen Strommehrbedarf zu decken, brauche es einen forcierten Ausbau der inländischen Produktion aus Erneuerbaren. «Das wissen wir seit über 10 Jahren.» Dieser Ausbau bedinge aber eine viel grössere gesellschaftliche Akzeptanz und Kompromisse von allen.
Energiezukunft 2050
Michael Frank, Direktor des VSE, schaute in seiner Ansprache auf ein anforderungsreiches Jahr zurück: «Die Energiekrise hat die Arbeit der letzten eineinhalb Jahre geprägt.» Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verbands, aber auch die Arbeitsgruppen und Kommissionen hätten – unterstützt von der Branche – in dieser anspruchsvollen Zeit hervorragende Arbeit geleistet, welche Michael Frank herzlich verdankte. Einen speziellen Dank richtete der VSE Direktor an OSTRAL, die Organisation für Stromversorgung in ausserordentlichen Lagen, und deren Chef Lukas Küng, welche während dieser Zeit ebenso exponiert wie gefordert gewesen seien, die ihre Aufgabe aber dennoch unermüdlich und mit grossem Engagement wahrgenommen hätten.