«An einem kalten Winterabend beginnt das europäische Stromnetz zusammenzubrechen. Viele Länder versinken in Dunkelheit …» Dieses Katastrophenszenario eines totalen Stromausfalls thematisierte Marc Elsberg 2012 in seinem Thriller «Blackout». Die Schweiz hat noch nie ein solches Blackout erlebt und bleibt im Hinblick auf ein technisches Problem mit einer derartigen Tragweite gelassen. Aber: Lokale Stromunterbrüche und regionale Stromausfälle haben eines gemeinsam – es handelt sich dabei nicht um ernste Strommangellagen. Wenn Unwetter Strommasten in den Alpen zerstören, wird ein lokales Elektrizitätsversorgungsunternehmen mit einer provisorischen Lösung Abhilfe schaffen. Wenn in Europa ein wichtiger Stromerzeuger keinen Strom mehr liefert, werden bestimmte Regionen automatisch vom Netz getrennt, um das Risiko eines totalen Stromausfalls (oder Blackouts) zu begrenzen. Und zwar auch unter der Annahme, dass die Versorgungsschwierigkeiten langfristig bewältigt werden müssten. Das Bundesamt für Energie geht in seiner Studie über die Zusammenarbeit der Schweiz und der EU im Worst-Case-Szenario davon aus, dass der Strombedarf während 47 Stunden nicht mehr gedeckt sein könnte.
In allen Situationen, die zu einem Netzausfall führen könnten, kann daher rasch und regional gehandelt werden. Bei einer Mangellage, die eine Organisation und Verfahren auf nationaler Ebene bedingt, liegt jedoch eine ganz andere Problematik vor. Da die elektrische Energie der Motor einer modernen Gesellschaft ist, bereitet sich die Schweiz seit Jahrzehnten auf eine solche langanhaltende Krise vor. Und diese stellt eine reale Gefahr dar. Es handelt sich laut der im Jahr 2020 veröffentlichten Nationalen Risikoanalyse von Katastrophen und Notlagen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz im Übrigen um das grösste Risiko in der Schweiz. Eine Pandemie rangiert «nur» auf dem zweiten Platz. Das Schadenpotenzial für Wirtschaft und Gesellschaft ist hoch.