«Eigentlich wollte ich bloss zwei, drei Jahre in der Schweiz bleiben. Nun, nach bald zwanzig Jahren bin ich immer noch hier und habe es keinen Tag bereut.» 2006 kam Margarita Aleksieva in die Schweiz und arbeitete in der damaligen Atel mit bei der Expansion des Energiegeschäfts in Zentral- und Osteuropa. Zugute kamen ihr dabei die während der Schulzeit und auch während des Studiums erlangten breiten slavischen Sprachkenntnisse und natürlich Englisch. «Ich konnte wenig Deutsch, als ich in die Schweiz kam. Mittlerweile verstehe ich sogar die meisten Dialekte, bin Schweizer Bürgerin und geniesse es, meine demokratischen Rechte an Abstimmungen und Wahlen wahrnehmen zu dürfen.»
In die Energiebranche war Margarita Aleksieva nach ihrem MBA-Abschluss an der Purdue University gelangt. Ein damaliger Geschäftseinheitsleiter des Zentral- und Osteuropageschäfts bei der Atel stellte sie ein. Zuerst arbeitete sie in Baden und nach der Fusion von Atel und EOS zu Alpiq in Olten. Bereits 2007 begann sie mit ihrem Engagement für erneuerbare Energien. Zusammen mit ihrem Vorgesetzten konzentrierte sie sich auf den Aufbau von Wind-, Solar- und Wasserkraftanlagen in ganz Europa. «Als Pionierin zur damaligen Zeit holte ich die Zustimmung der Geschäftsleitung zum Einstieg in die Produktion mit erneuerbaren Energieanlagen – Wasser, Wind und Photovoltaik.»
Mit einem Universitätsabschluss in Wirtschaft und Politikwissenschaften wuchs der Wunsch, auch Erfahrung in der Finanzindustrie zu sammeln. 2016 war es dann so weit: Bei der in Zürich domizilierten und weltweit tätigen IST-Investmentstiftung übernahm sie die Leitung des Portfolio- und Asset-Managements für Infrastrukturanlagen in OECD-Ländern. Gegründet 1967 als Non-Profit-Organisation von zwölf Vorsorgeeinrichtungen in der Schweiz ist die IST-Investmentstiftung die erste unabhängige Anlagestiftung in der Schweiz. Zwischen 2016 und 2020 wuchs das von IST verwaltete Infrastrukturanlagen-Portfolio von 200 Millionen auf knapp eine Milliarde Schweizer Franken. «Mit meinem bei Atel respektive Alpiq erlangten Wissen war es mir ein Leichtes, mit all den Infrastruktur-Investment-Gurus zusammenzuarbeiten und die Besonderheiten der globalen Investmentfonds zu beherrschen.»
Zurück zu den Erneuerbaren
Der Job in der Finanzbranche bereitete ihr viel Freude. Dennoch vermisste sie stets die erneuerbaren Energien mit deren Vielfalt an Tätigkeiten – von der Akquisition, über den Bau, den kommerziellen und technischen Betrieb bis hin zur Strategieentwicklung und Finanzierung. Und als die BKW Ende 2019 eine neue Leitung für die Geschäftseinheit Wind und Solar mit kaufmännischer und technischer Erfahrung suchte, ergriff Margarita Aleksieva die Gelegenheit. Mitte 2020 startete sie als neue Leiterin Wind und Solar bei der BKW. Ihre Sprachkenntnisse spielten dabei sicherlich auch eine wichtige Rolle. Neben Bulgarisch, diversen slavischen Sprachen, Englisch, Finnisch und Deutsch hat sie auch noch gelernt, etwas Schweizerdeutsch zu sprechen. Die BKW betreibt über 100 Wind- und Solarproduktionsanlagen, verteilt auf die Länder Norwegen, Schweden, Deutschland, Frankreich, Italien und natürlich auch auf die Schweiz.