Wird 5G dereinst autonom fahrende Autos ermöglichen? Birgt der neue Mobilfunkstandard gesundheitliche Risiken? Die Diskussion rund um 5G ist in vollem Gange. Der Elektro-Ingenieur Bernd Nordieker hat 30 Jahre Erfahrung im Bereich der Energiewirtschaft. Das Interview mit ihm beschränkt sich darauf, welche wirtschaftlichen Chancen und Risiken 5G mit sich bringt.
Herr Nordieker, wozu können Energieversorgungsunternehmen die hohen Datenübertragungsraten des 5G-Standards nutzbringend einsetzen?
Die Energiewelt verändert sich gerade stark in Richtung Dezentralität. Wir sehen immer mehr Einspeisung durch «Prosumer», neue Speicher gehen ans Netz, die individuelle E-Mobilität wächst rasch, Eigenverbrauchsgemeinschaften und Quartierverbünde entstehen. Das alles geschieht vor dem Hintergrund zunehmend gekoppelter Energiemärkte – von Nord bis Süd, von Ost bis West und über die Energieträger Strom, Gas und Wärme hinweg. Wir stehen vor Herausforderungen, die mit 5G vermutlich sehr viel einfacher und wirtschaftlicher zu bewältigen sind.
Sie meinen, 5G hilft bei der Bewältigung der neuen Datenmengen und der Steuerung des komplexeren Systems?
Das Optimieren von Produktion, Verbrauch und Netzlast mit schneller Datenübertragung ist die eine Seite. 5G kann aber nicht nur alle Akteure entlang der Wertschöpfungskette miteinander verbinden. Es kann auch Prozesse automatisieren und neue Sicherheitsstandards setzen. Speicher, die sich dann füllen, wenn die Strompreise tief sind und dann leeren, wenn sie hoch sind, automatische Abrechnung ohne Ablesen und Papierkram, blitzschnelle und sichere Authentifikation und Akkreditierung einzelner Netze und Akteure untereinander.
Neue Betätigungsfelder und Geschäftschancen für Energieversorger?
Einerseits ja. Und andererseits kommt keine Chance jemals ohne inhärentes Risiko. Wenn wir daran denken, wer heute am besten die Sicherheit von Daten garantieren kann, wer diese gewinnbringend zu verarbeiten weiss, wer sogar bereits antizipiert, wie die Kunden handeln werden...dann denken wir vielleicht nicht in erster Linie an Energieversorger, sondern an die weltgrössten IT-Unternehmen.